„Eine gute Zeitung erkennt man an ihren Lesern.“ Mit diesem Slogan und ausgewählten Abonnenten machte die SZ 2015 Werbung. In dieser Imagekampagne schwang viel Wahrheit mit. Das lässt sich täglich in den Online-Kommentaren und auf der Leserbriefseite nachlesen. Diese Resonanzräume spiegeln die Qualität der Zeitung wider, stellen sie aber auch infrage.
Leserpost für das „SZ-Beschwerdebuch“ erreichte die SZ seit den frühsten Ausgaben. Doch am 11. Dezember 1948 wurde erstmalig ein namentlich unterzeichneter „Brief an die Süddeutsche Zeitung“ abgedruckt: eine „Antwort aus Frankreich“ auf ein „Streiflicht“ zum Thema „Todesstrafe“, unterzeichnet von französischen Denkern wie Alfred Grosser, Joseph Rovan und Jean Paul Sartre. Über die Jahre entwickelte sich die Leserbriefseite – Ihr Forum – zum wichtigsten Raum für Feedback: Hier kritisiert nicht nur ein ehemaliger Inspekteur des Heeres die schleppende Wiedereinführung der Musterung, sondern diskutieren auch Münchnerinnen und Münchner über die Nutzung der öffentlichen Flächen der Stadt während der IAA.
Neben großen Namen und wichtigen Titeln wirken die Pseudonyme der Menschen, die im Internet kommentieren, unbedeutend. Doch diese Online-Kommentare sind genauso wichtig. Seit 2007 können Lesende auf SZ.de kommentieren und seit 2010 auf Facebook und Co. Auf diesen Wegen bekommt die Redaktion zeitnahes Feedback: Was hält die SZ-Leserschaft vom aktuellen Meinungsbeitrag, und welchen möglichen Weiterdreh zu einer Geschichte ergänzt ein Nutzer auf Instagram? Diese öffentlichen Diskussionen prägen auch den gesellschaftlichen Diskurs.
Auch wenn manche Leserbriefe scharf formuliert sind und Online-Kommentare aus dem emotionalen Bedürfnis, Dampf abzulassen, verfasst wurden: Für die Redaktion sind diese Wortmeldungen ein wichtiger Bestandteil der journalistischen Arbeit.

