Geldpolitik in Großbritannien:Bank of England erhöht Leitzins auf drei Prozent

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Bank of England in London

Die Bank of England will mit einer Leitzinserhöhung gegen die hohe Inflation kämpfen.

(Foto: Frank Augstein/AP)

Als Reaktion auf die hohe Inflation im Land erhöht die britische Zentralbank den Leitzins drastisch - um 0,75 Prozentpunkte. Experten befürchten schwerwiegende Folgen für die Bürger.

Die britische Zentralbank, die Bank of England, erhöht ihren Leitzins von 2,25 Prozent um 0,75 Punkte auf drei Prozent. Sie will damit die enorme Inflation von zuletzt 10,1 Prozent im Land in den Griff bekommen. Es ist die deutlichste Steigerung seit 33 Jahren. Notenbankchef Andrew Bailey hatte schon Mitte Oktober angedeutet, dass das Plus höher sein könne als die 0,5 Prozentpunkte, um die die Bank of England den Zins damals angehoben hatte.

Auch andere Zentralbanken versuchen, die Inflation über Zinserhöhungen einzugrenzen. Die Federal Reserve in den Vereinigten Staaten schraubte den Leitzins am Mittwoch zum vierten Mal in Folge um einen Dreiviertelprozentpunkt nach oben - auf die neue Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Fed-Chef Jerome Powell signalisierte zugleich, dass die Notenbank im Dezember oder im Februar das Tempo bei der Zinserhöhung herausnehmen könnte.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hatte jüngst mit einem weiteren großen Schritt die Schlüsselzinsen um 0,75 Prozentpunkte erhöht. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte zudem weitere Anhebungen in Aussicht. Sie betonte, eine Rezession werde nicht ausreichen, um die Inflation, die im Euro-Raum derzeit bei 10,7 Prozent liegt, in den Griff zu bekommen. Auch Bundesbankchef Joachim Nagel plädierte für weitere Zinserhöhungen. Nagel hatte jüngst in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt, die Inflation sei hartnäckig, daher müsse die Geldpolitik noch hartnäckiger sein.

Schwierigkeiten für Verbraucher erwartet

Schon im Vorfeld wurden kritische Stimmen zur Leitzinserhöhung laut. Denn die könnte nach Einschätzung von Experten vor allem Immobilieneigentümer treffen. "Dies wird unweigerlich Hausbesitzern schaden, deren Festzinsverträge auslaufen", sagte der Ökonom Michal Stelmach vom Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsinstitut KPMG in London der Deutschen Presse-Agentur.

Denn Hypotheken machten den größten Teil der Verschuldung privater Haushalte aus, und die Zinssätze darauf könnten nun bald steigen. Dabei litten die Menschen in Großbritannien bereits unter steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen. Auch Unternehmen, die zur Finanzierung weitgehend auf variabel verzinsliche Darlehen angewiesen sind, seien betroffen, sagte Stelmach.

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