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Leipzig:Unbekannte verwüsten Wahlkreisbüro von CDU-Abgeordneter Kudla

Bettina Kudla

Die CDU-Abgeordnete Bettina Kudla (undatiert).

(Foto: dpa)

Die Täter werfen Fenster ein und beschmieren die Fassade mit einer "teerähnlichen Flüssigkeit". Kudla ist wegen ihrer Kritik an der von ihr so genannten "Umvolkung" umstritten.

Unbekannte haben in der Nacht zum Dienstag das Wahlkreisbüro der umstrittenen CDU-Bundestagsabgeordneten Bettina Kudla in Leipzig verwüstet. Der oder die Täter beschmierten die Fassade mit einer "teerähnlichen Flüssigkeit", warfen vier Fenster an und randalierten in dem Büro, teilte ein Sprecher der Polizei mit.

Hinweise auf Tatverdächtige oder deren Motiv fehlen bislang. Bereits am Montagabend habe es allerdings einen Einbruchsversuch in Kudlas Büro gegeben. Ende August hatte die Abgeordnete schon einen ähnlichen Anschlag erlebt, über den der MDR berichtete.

Begriff "Umvolkung"

"Umvolkung" ist nach Auskunft von Helmut Kellershohn vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung ein völkischer Begriff, der ursprünglich nicht aus dem NS-Zusammenhang stammt, sondern zunächst von Jungkonservativen in den 1920er Jahren genutzt wurde. Ihnen ging es zunächst vor allem darum, dass Deutsche in durch den Ersten Weltkrieg verlorenen Gebieten nicht "umvolkt", also nicht assimiliert werden sollten, sondern ihr "Deutschtum" bewahren sollten. In Bezug auf die NS-'Rassen'-Politik gegenüber Juden wurde der Begriff zudem so gebraucht, dass ein von den völkischen Theoretikern "unerwünschter Assimilationsvorgang" rückgängig gemacht werden sollte. In einer dritten Bedeutung beschreibt der Begriff "Umvolkung" eine als gefährlich angesehene "Unterwanderung" der angeblichen vorhandenen völkischen Substanz der Deutschen. Spätestens durch die Nutzung im "Generalplan Ost", einer Planungsgrundlage für die rücksichtslose Kolonisierung von Teilen Osteuropas im Dritten Reich, wurde der Begriff also quasi kontaminiert. Wer ihn heute verwendet, stellt sich laut Kellershohn "ziemlich eindeutig" in die Traditionslinie der Nationalsozialisten. (gal)

Kudla war wegen eines fremdenfeindlichen Tweets in die Kritik geraten, in dem sie unter anderem den nationalsozialistischen Begriff "Umvolkung" verwendet hatte. Mittlerweile ist der Tweet gelöscht, eine öffentliche Entschuldigung hat die Politikerin jedoch nicht abgegeben, obwohl Innenminister Thomas de Maizière diese von ihr fordert.

© SZ.de/dpa/ees/gal
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