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SPD-Sieg in Leipzig:Burkhard Jung bleibt Rathauschef - aber nur sehr knapp

Oberbürgermeisterwahlen in Leipzig

Burkhard Jung (SPD) bleibt auch eine dritte Amtszeit lang Oberbürgermeister von Leipzig.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)
  • In der zweiten Wahlrunde der Leipziger OB-Wahl erreicht Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) 49,1 Prozent der Stimmen.
  • Damit setzt er sich nur sehr knapp gegen Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow von der CDU (47,6 Prozent) und Ute Elisabeth Gabelmann (3,3 Prozent) durch.
  • Im ersten Wahlgang hatte Jung noch überraschend knapp hinter Gemkow gelegen.

Als im Leipziger Rathaus die letzten Zahlen über die Bildschirme flackern, läuft Burkhard Jung die Treppen herauf. SPD-Anhänger begrüßen ihn mit Beifall. Er reckt die Arme nach oben, lächelt. "Wir haben gewonnen", sagt er später in den Fraktionsräumen der SPD. "Aber es ist eine gespaltene Stadt". Das müsse man bei dem Ergebnis anerkennen, sagt er. Draußen in der Halle steht der CDU-Bewerber Sebastian Gemkow und sagt: "Ich bin enttäuscht - denn ich hatte geglaubt, dass es klappen könnte. Aber ich hoffe der Amtsinhaber hat Impulse bekommen und schafft es, die Stadt wieder zu einen."

Leipzig behält also seinen SPD-Oberbürgermeister. Doch das Ergebnis ist sehr knapp. Auch wenn Burkhard Jung die Wahl offiziell mit 49,1 Prozent der Stimmen gewonnen haben mag: Sebastian Gemkow ist der eigentliche Sieger. Während die CDU nach dem Tabubruch in Thüringen in eine tiefe Krise stürzte und bei der Hamburger Wahl herbe Verluste einstecken musste, holt Gemkow im bisher traditionell "roten" Leipzig ein sensationelles Ergebnis von 47,6 Prozent.

In Sachsen gibt es bei Oberbürgermeister-Wahlen keine Stichwahl. In der zweiten Runde können alle Kandidaten nach Belieben erneut antreten. Da die Bewerber von Grünen, Linken, Die Partei, FDP und AfD jedoch zurückgezogen hatten, standen in Leipzig nur noch drei Kandidaten zur Wahl: Neben Sebastian Gemkow und Burkhard Jung war auch die überparteiliche Kandidatin Ute Elisabeth Gabelmann (3,3 Prozent) erneut angetreten. Diese erreichte aber bereits bei der ersten Abstimmung nur weniger als ein Prozent der Stimmen und galt als chancenlos.

Unter der Führung von Amtsinhaber Jung ist Leipzig zwar kräftig gewachsen, es haben sich große Wirtschaftszweige angesiedelt - doch die Wahl zeigt, wie der Rückhalt für ihn in der Stadt geschwunden ist. Im Herbst 2018 kandidierte er für den Vorstand des Ostsächsischen Sparkassenverbands. Er wurde jedoch nicht gewählt - und trat dann erneut zur Wahl des Oberbürgermeisters an. Schon im Wahlkampf war zu spüren, dass ihm das nicht wenige Leipziger übel genommen hatten. Für viele fühlte es sich so an, als sei Jung nur zur dritten Amtszeit bereit gewesen, weil es keine andere Option für ihn gab.

Obwohl Linke und Grüne sich im zweiten Wahlgang für Jung aussprachen, erreichte er nicht einmal 50 Prozent der Stimmen. Aus der Wahl des Oberbürgermeisters hatte er einen Richtungswahlkampf gemacht und versucht, Gemkow, der zur Zeit Wissenschaftsminister ist, in die rechte Ecke zu stellen. "Jetzt geht es um Internationalität, Weltoffenheit, bunte Stadt - oder rechts gescheitelt, rechts gekämmt", sagte Jung noch im Vorfeld der Wahl mit Anspielung auf Gemkows Frisur.

Da die AfD im zweiten Wahlgang ebenfalls auf ihre Kandidatur verzichtete, dürfte sein Kontrahent tatsächlich auch aus diesem Lager Stimmen erhalten haben. Dabei gilt Gemkow im sehr konservativen sächsischen CDU-Landesverband noch als liberal.

Immer wieder hatte die seit Jahren in Sachsen regierende Partei versucht, der SPD die Stadt Leipzig streitig zu machen. Ohne Erfolg. Zuletzt schickte sie 2013 den ehemaligen Polizeipräsidenten ins Rennen: ein Mann mit Law-and-Order-Mentalität, der krachend gegen Jung verlor. Sebastian Gemkow dagegen gab sich als Konservativer, dessen Ideen zuweilen von den Grünen hätten kommen können. So warb er mit einem Mobilitätskonzept, bei dem Leipzig langfristig eine autofreie Stadt werden sollte. Sein Hauptthema war jedoch die Sicherheit.

Es war Gemkow, der frühere Justizminister, der schon im Herbst 2019 mit Innenminister Roland Wöller (CDU) die Soko Linksextremismus vorstellte. Nach den Ausschreitungen in der Silvesternacht zwischen Polizisten und Linksautonomen im Stadtteil Connewitz rückte das Thema immer weiter in den Fokus. Gemkow warb für eine engere Zusammenarbeit zwischen Stadt und Sicherheitsbehörden.

(Mit Material der dpa)

© SZ.de/aner/mane
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