Reaktionen auf Sprengstoffdrohne von LeipzigRussische Botschaft spricht von Provokation

Lesezeit: 2 Min.

Ein Polizist auf dem Gelände des Flughafen-Leipzig-Halle. Die Ermittlungen nach der Entdeckung der Sprengstoff-Drohne dauern an.
Ein Polizist auf dem Gelände des Flughafen-Leipzig-Halle. Die Ermittlungen nach der Entdeckung der Sprengstoff-Drohne dauern an.
Sebastian Willnow/dpa

Nach dem Drohnen-Fund sieht der Kreml sich als Opfer. Innenminister Dobrindt spricht weiterhin nur von „fremden Mächten“. Andere Politiker werden aber deutlicher.

SZ bei Google bevorzugen

Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne auf dem Flughafen Halle/Leipzig hat die russische Botschaft in Berlin den Fall als eine gegen Moskau gerichtete Provokation bezeichnet. „Es ist offensichtlich, dass diese hastig zusammengeschusterte Provokation ausschließlich den Zielen Kiews und des militaristischen Flügels der europäischen politischen Klasse dient“, teilte die diplomatische Vertretung Russlands am Samstag bei Telegram mit. Zugleich warnte die Botschaft vor einer „neuen Welle antirussischer Hysterie in Deutschland. Am Flughafen Leipzig/Halle war am späten Mittwochabend in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne entdeckt und von einem Mitarbeiter zum Absturz gebracht worden. Ein infolge der Sperrung kurz danach durchstartendes Flugzeug kollidierte mit einem unbekannten kleineren Flugobjekt, möglicherweise einer zweiten Drohne. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

Die Bundesregierung macht Russland bisher nicht für den Angriff verantwortlich, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach und spricht von „fremden Mächten“. Der Bild am Sonntag sagte er: „Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung. Das spürbare strategische Ziel fremder Mächte ist es, uns politisch und gesellschaftlich zu bezwingen.“ Spionage, Sabotage, Cyberangriffe und verdeckte Aktionen zielten darauf ab, Deutschland zu destabilisieren und Ängste zu schüren.

Der Kreml glaubt, dass die Ukrainer hinter dem Angriff steckt

Russlands Botschaft vermutet hinter dem hybriden Angriff die Ukraine, der es an Waffen fehle. Die Ukraine und die Regierungen in Europa bräuchten Argumente, um weiter „unbegrenzte finanzielle Mittel in die Hände eines korrupten Regimes fließen“ zu lassen, hieß es in der Stellungnahme weiter mit Blick auf den Vorfall auf dem Flughafen Halle/Leipzig am Mittwoch.

Der Fall der von einem Busfahrer entdeckten Drohne mit einem nicht intakten Zünder werde als hybrider Angriff präsentiert, um Stimmung gegen Moskau in den Medien zu schüren, kritisierte die russische Botschaft. Wie in früheren Fällen würden keine Beweise vorgelegt. Schon jetzt gebe es aber Politiker, die von einem kriegsauslösenden Akt gegen Deutschland und die Nato und von der Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen seitens Berlins sprächen.

„Wir möchten hinzufügen, dass die größte Gefahr für Deutschland heute nicht in den viel beschworenen ‚Hybridangriffen‘ Moskaus liegt – die es gar nicht gibt –, sondern von den Politikern ausgeht, die mit Begeisterung Szenarien für einen baldigen Krieg gegen Russland ausarbeiten und den deutschen Bürgern vorschlagen, daran teilzunehmen“, teilte die Botschaft weiter mit.

Bundeswehr bestätigt Drohnensichtung

Andere Politiker und Experten sehen hingegen durchaus die Hand Moskaus. Der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann (CDU), sagte im ZDF: „Die Glaubwürdigkeit hat Russland schon lange verspielt, wenn man in die Ukraine blickt, wo ja vor völkerrechtswidrigen Angriffen man kaum mehr hinterherkommt. Und dass Russland da ein Spiel ohne Regeln spielt, das ist jetzt auch keine neue Erkenntnis.“ Henrichmann sagte mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Da ist jemand, der in der Ukraine sich festgefahren hat.“ Der russische Angriffskrieg stocke. „Und es ist schon lange prognostiziert, dass dann Ausweichbewegungen in Richtung Westen, in Richtung Nato, in Richtung EU erfolgen werden.“ Das geschehe jetzt. „Wir müssen wehrhaft sein und Russland da auch in die Schranken weisen“, sagte Henrichmann.

Die Bundeswehr bestätigte am Samstag einen weiteren Drohnenvorfall. Einem Sprecher zufolge meldete die Sicherheitszentrale des Bundeswehrstandortes Mechernich in Nordrhein-Westfalen in der Nacht zum Freitag die Sichtung zweier Drohnen. Nach Informationen von WDR, NDR und SZ ist der Standort besonders wichtig, da sich hier in einer unterirdischen Anlage ein besonders geschütztes Materiallager befinde.

© SZ/dpa/Reuters - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Anschläge auf kritische Infrastruktur
:„China und Russland warten nicht, bis wir uns besser aufgestellt haben“

Sabotage, Spionage und hybride Angriffe auf Deutschland häufen sich. Sicherheitsforscher Frank Umbach erklärt, was dahintersteckt – und warum die deutsche Wirtschaft noch immer unzureichend vorbereitet ist.

SZ PlusInterview von Anna Lea Jakobs

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: