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Lehren aus der Florida-Vorwahl der Republikaner:Romneys neue Angriffslust

Auch bei seinen vielen Wahlkampfauftritten stichelt Romney oft gegen Gingrich. "Einmal ist ihm das Publikum zu laut, das andere Mal zu leise", witzelte er etwa vor seinen Zuhörern, als sich sein schärfster Konkurrent darüber beschwerte, dass angeblich zu viele Anhänger des Ex-Gouverneurs im Publikum saßen.

Bei den Wählern in Florida kam dieser Romney, der die Samthandschuhe ausgezogen und die elitäre Erziehung an einer Privatschule vergessen hatte, gut an, wie das Ergebnis zeigt. Genaue Analysen offenbaren, wie wichtig der Faktor Wählbarkeit war. In einer Umfrage von CNN sahen 45 Prozent der Befragten das Argument "Kann Obama schlagen" als wichtig an. Offenbar trauen viele Republikaner einem zupackenden Romney zu, rhetorisch gegen Amtsinhaber Barack Obama zu bestehen - das galt bislang eher für Newt Gingrich und war dessen wichtigstes Argument. Bei einer Wählergruppe ist die Skepsis gegenüber dem Wahlsieger Romney noch immer sehr hoch: bei den Ultrakonservativen liegt Gingrich klar in Führung.

Fazit: Mitt Romneys dosiert aggressiver Stil kommt bei vielen Republikanern an

TV-Duelle sind entscheidend

Diese neue Angriffslust des Mitt Romney zeigte besonders in den beiden in Florida ausgetragenen TV-Debatten ihre Wirkung. Während sich Newt Gingrich in den Rededuellen zuvor dank seiner rhetorischen Brillanz oft profilieren und so den Sieg in South Carolina einfahren konnte, bietet der Mormone ihm nun Paroli.

Nach Einschätzung des Journalisten Alex Burns, der die Kandidaten seit Monaten begleitet und über deren Auftritte er einen viel beachteten Blog auf politico.com schreibt, spielen die Rededuelle eine wichtigere Rolle als noch vor vier Jahren: "Sie sind für den Erfolg einer Kampagne mitentscheidend und die Debatten ziehen enorm viele Zuschauer an."

Burns zufolge kann sich der wortgewaltige Gingrich nicht über die weitere Terminierung freuen: "Für ihn ist es sicher ein Nachteil, dass die nächste TV-Debatte erst am 22. Februar stattfindet." Die lange Pause gibt jedoch allen vier Bewerbern Zeit, sich eine neue Strategie zu überlegen.

Fazit: Nach 19 Rededuellen hat Mitt Romney Mittel gefunden, den Lautsprecher Gingrich in Schach zu halten.

Musterfamilien vor!

Wahlkampfzeit ist stets Familienzeit: Jeder Amerikaner, der sich um ein Amt bewirbt, zeigt sich mit seinem Ehepartner und idealerweise mit den wohlgeratenen Kindern, um seine Anständigkeit zu präsentieren. Dies spielte Mitt Romney idealtypisch aus: Bei einer Konferenz des republikanischen "Hispanic Leadership Network" stellte ihn sein Sohn Craig in astreinem Spanisch vor - und Enkel Porter krähte fröhlich "Hola" ins Mikro (hier ist der Romney-Auftritt in einem Youtube-Video zu sehen).

Dass der einstige Finanzinvestor, dessen Vermögen auf 250 Millionen Dollar geschätzt wird, seit 42 Jahren mit der gleichen Frau verheiratet ist, gefällt nicht nur den meist katholischen Hispanics, die in Florida 22 Prozent der Bevölkerung stellen. 54 Prozent der Latinos votierten für Romney, der seine Treue gern bei öffentlichen Auftritten betont. Er muss gar keine Andeutung bezüglich seines Rivalen machen, denn die meisten Amerikaner kennen das bewegte Liebesleben von Newt Gingrich, der bereis zum dritten Mal verheiratet ist.

So wundert es kaum, dass Ann Romney am Wahlabend die Rolle der Laudatorin übernahm. "Diese Frau ist ein großes Plus für Mitt", sagte ein CNN-Experte anschließend.

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