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Blut von Winston Churchill:Vernichtet statt versteigert

Winston Churchill 1944

Der britische Premierminister Winston Churchill 1944 in Italien.

(Foto: dpa)

Nach Zigarettenstummel und Zahnprothese sollten ein paar Tropfen Blut von Winston Churchill versteigert werden. Doch dann schritt seine Familie ein.

Von Esther Widmann

Als Winston Churchill im Mai 1940 Premierminister des Vereinten Königreiches wurde, hielt er seine erste Rede im Unterhaus. Angesichts des Vormarschs Hitler-Deutschlands in Europa sagte Churchill damals seinen wohl berühmtesten Satz: "Ich habe nichts zu bieten außer Blut, Mühsal, Schweiß und Tränen."

Im Jahr 2015 ist davon nur noch eines übrig: Blut - aber nicht mehr lange. Wenige Milliliter Blut von Sir Winston in einer Phiole sollten diesen Donnerstag versteigert werden.

Doch die Familie des ehemaligen Premiers hat die Auktion kurzfristig unterbunden. Das Objekt sei trotz des großen Medieninteresses zurückgezogen worden, sagte das Auktionshaus Duke's in Dorchester auf Anfrage. Es gebe ein rechtliches Problem, Genaueres könne man dazu nicht sagen. Nur dies: Auf Geheiß der Familie Churchill werde das Blut nun vernichtet.

Das Blut war dem damals 87-jährigen Churchill im Jahr 1962 abgenommen worden, nachdem er sich in Monaco die Hüfte gebrochen hatte. Eine Krankenschwester hatte das deutlich beschriftete Glasröhrchen vor dem Mülleimer gerettet und mit Zustimmung ihrer Vorgesetzten mit nach Hause genommen. Nach ihrem Tod sollte es nun versteigert werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Nachlassverwalter einen solchen Verkauf verhindern. Die Versteigerung einer Phiole mit dem Blut von Ronald Reagan wurde 2012 abgebrochen, weil die Stiftung des verstorbenen ehemaligen US-Präsidenten protestierte. Da lag das Höchstgebot bereits bei 30.000 US-Dollar. Es stammte allerdings auch nicht von einer profanen Hüftoperation, sondern von seinem Krankenhausaufenthalt nach einem Attentat 1981, bei dem Reagan eine Schusswunde erlitten hatte.

Auch bei Churchills Blut wäre es wohl kaum beim Schätzpreis von 300 bis 600 britischen Pfund (425 bis 850 Euro) geblieben. Seine Zahnprothese - gegen deren Verkauf die Familie offenbar keine Einwände hatte - ging vor einigen Jahren für umgerechnet etwa 22.000 Euro über den Tisch. Ein Zigarrenstummel kam 2010 für mehr als 5000 Euro unter den Hammer.

Sir Winston Churchill war von 1940 bis 1945 und erneut von 1951 bis 1955 britischer Premierminister und gilt in Großbritannien als der Mann, der den Nazi-Diktator Adolf Hitler besiegte. Im Jahr 2002 wurde er in einer BBC-Umfrage von etwa einer Million Zuschauer zum "Größten Briten aller Zeiten" gewählt.

© SZ.de/odg/pamu

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