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Lega Nord in Italien:Salvini war fasziniert von Umberto Bossi

Ideologisch kommt er aber aus einer anderen Ecke. Mit 17 Jahren trat Salvini, der aus einem gutbürgerlichen Elternhaus kommt und ein klassisches Gymnasium besuchte, der Lega Nord bei.

Er war fasziniert vom Gründer und Tribun der Partei, von Umberto Bossi, der mit Lokalfolklore und mittelalterlichen Riten das Narrativ für eine neu zu gründende Nation schusterte: Padanien, das Fantasieland entlang dem Fluss Po, vom Piemont über die Lombardei ins Veneto, diente ihm als Antithese zu Italien - geschäftig, verlässlich, angeblich frei von Mafia und Korruption. Sehr ernsthaft war das Projekt der Abspaltung zwar nie, doch es befeuerte in vielen Norditalienern den Stolz auf ihre Scholle.

Mit 20 war Salvini schon Mailänder Gemeinderat, arbeitete für die Parteizeitung La Padania, dann war er Direktor von Radio Padania, dem Parteiradio. Sein Geschichtsstudium beendete er nie. Es gab Zeiten, da fand Salvini, man müsste in der Mailänder U-Bahn Abteile für "ursprüngliche Lombarden" und solche für Zugewanderte einrichten, Restitaliener inklusive.

Im vorigen Herbst reist Salvini nach Nordkorea - und fand dort alles gar nicht so schlimm

Als Bossi vor zwei Jahren die Parteileitung wegen einer Serie von Finanzskandalen aufgeben musste, rückte Salvini nach. Eine stattliche Mehrheit der Basis wählte den Europaabgeordneten zum neuen Generalsekretär. Es war eine düstere Zeit für die Lega Nord, denn sie war auf ein Rekordtief gefallen: auf vier Prozent bei den Parlamentswahlen 2013. Man fragte sich, ob die Partei den Sturz Bossis überhaupt überleben würde.

Doch Salvini verordnete der Lega einen abrupten Wandel, behalten wollte er nur die alte Fremdenfeindlichkeit und das Poltern gegen die Europäische Union. Von Sezession dagegen war fortan keine Rede mehr. Die Partei sollte ihre Wähler nicht mehr nur im Norden suchen, sondern überall im Land, selbst im oft vermaledeiten Mezzogiorno. Salvini reiste dorthin, ließ sich mit Eiern bewerfen, beharrte aber auf der gesamtnationalen Strategie. Könnte er, würde er wohl den Parteinamen ändern - in Lega Nazionale vielleicht.

Vorbild ist der französische Front National

Für die Metamorphose ließ sich Salvini vom französischen Front National inspirieren. Er ist ein Fan von Marine Le Pen. Sie wiederum sagt von Salvini, er sei eine "bemerkenswerte Persönlichkeit". Unlängst fuhr Salvini als Gast zum Kongress des Front National und wurde wie ein Star gefeiert. Auf der Piazza del Popolo soll nun eine Videobotschaft Le Pens gezeigt werden.

Beide teilen auch die Verehrung für Wladimir Putin, den anderswo geächteten russischen Präsidenten, man bekundet sie ganz offen. Für Le Pen und Salvini ist Putin ein Opfer des Westens, und die Sanktionen sind des Teufels. Von Le Pen ist bekannt, dass sie Geld aus Russland erhält. Salvini sagte einmal, er beneide sie darum. Viel mehr Harmonie geht nicht. Salvini arbeitet an einem Klon des Front National.

Im vergangenen Herbst reiste er nach Nordkorea, aus Neugierde, wie er sagte, und fand dort alles gar nicht so schlimm. "Ich blieb fünf Tage, Internet und Handy funktionierten nicht - das war eine unbezahlbare Erfahrung. Sie allein war die Reise wert." Und die Italiener hörten und sahen mal fünf Tage nichts vom anderen Matteo, keinen Slogan, kein Post, kein Tweet, keine Denkwürdigkeit.