Leben mit Kindern Vaterglück mit Einschränkungen

Das Leben mit Kindern ist oft schön, lässt Vätern (aber auch Müttern) jedoch oft wenig Zeit für sich selbst.

(Foto: obs)

Stefan Fritsche (Name geändert), 39 Jahre, Leitender Angestellter in der Automobilindustrie, lebt in München, Vater eines Sohnes (4) und einer Tochter (3)

Meine Frau und ich leben zwangsweise, aber, wie wir finden, auch erfolgreich das klassische Alleinverdiener-Modell: Zwangsweise, weil es Jobs wie meinen nicht in Teilzeit gibt - ich arbeite regelmäßig 50 bis 60 Wochenstunden und diese auf sehr hoher Drehzahl. In München braucht man zudem einfach ein entsprechendes Einkommen, um mit Kindern ein einigermaßen gutes Leben führen zu können. Die Annahme eines Teilzeitjobs würde sich für meine Frau kaum lohnen, da davon aufgrund des Ehegattensplittings netto nur wenig übrig bliebe. Außerdem erleben wir aber auch täglich - auch im Vergleich zu anderen Familien mit anderen Familienmodellen -, dass die intensive Betreuung unserer Kinder durch meine Frau ihnen sehr gut tut, solange sie noch so klein sind. Unter der Woche sind sie aber auch im Kindergarten.

Meine Kinder und ich verbringen unter der Woche vielleicht wenig, aber doch intensive Zeit miteinander. Morgens versuche ich, meine Kinder in den Kindergarten zu fahren, und abends wenigstens für die Gute-Nacht-Geschichte daheim zu sein; beides ist mir sehr wichtig. Wir reden fast jeden Abend darüber, was sie heute so gebastelt und gespielt haben, mit wem sie sich gerade gut verstehen, was sie nervt. Die Wochenenden verbringen wir mit gemeinsamen Aktivitäten.

Bevor ich Vater wurde, führten meine Frau und ich ein sehr aktives Leben. Das hat sich jetzt verändert. Für mich selber als auch für unsere Beziehung blieb in den letzten vier, fünf Jahren weder Zeit noch Energie. Obwohl ich meine Kinder sehr liebe, bin ich also nicht uneingeschränkt der lehrbuchhafte glückliche Vater.

Von der Politik würde ich mir wünschen, dass sie den Beitrag von Vätern mehr anerkennt, die durch ihre berufliche Hochleistung das finanzielle Rückgrat vieler Familien bilden - und damit erheblich zur guten Entwicklung ihrer Kinder beitragen. Gesellschaftlich, steuerlich und rechtlich werden im Moment eher Ehefrauen, oder Geringverdiener gefördert. Ich fände es gut, wenn das Ehegattensplitting zum Familiensplitting erweitert, sprich jedes finanziell abhängige Kind als volle Person steuerlich geltend gemacht würde - eventuell auch unter deutlicher Reduzierung des Effekts für kinderlose Ehepaare. Zudem sollte der Kinderfreibetrag massiv angehoben werden auf Höhe des Grundfreibetrags. Und ich halte die völlige rechtliche Gleichstellung von Vätern und Müttern, insbesondere auch im Falle einer Scheidung, für längst überfällig.

Götz Brakel, 54 Jahre, ev. Pastor, Stade (Niedersachsen), Vater eines Sohnes (11) und einer Tochter (8)

Ich kann mich weder einer traditionellen noch einer modernen Vaterrolle eindeutig zuordnen. Das liegt sicher auch an meinem Beruf und dem daraus folgenden chaotischen Tagesablauf. Ich arbeite als evangelischer Pastor an zwei historischen Innenstadtkirchen. Meine Wochenarbeitszeit liegt zwischen 45 und 50 Stunden. Meine Frau ist Sozialarbeiterin in Teilzeit.

Wir haben eine Art vortastende Planung von Woche zu Woche. In meinem Beruf gibt es unterschiedliche Strukturen, die nicht nur wochenweise, sondern oft über größere Zeiträume greifen. Und dann gibt es natürlich Ereignisse, die sich überhaupt nicht planen lassen, wie Beerdigungen. Zudem habe ich kaum einen Tag, an dem dienstlich nichts anliegt. Abendtermine sind der Normalfall, ich singe im Chor, habe Konfirmandenelternabend und Ähnliches.

Der große Vorteil meines Berufes für das Leben mit Kindern ist, dass ich im Laufe des Tages auch immer wieder mal zu Hause bin, für meine Kinder also sichtbar und ansprechbar. Familien- und Arbeitsleben sind nicht strikt getrennt. Als die Kinder klein waren, gab es auch manchmal Aktivitäten, bei denen sie einfach mitmachen konnte, zum Beispiel einen Krabbelgottesdienst. Ich bin als Kind in einer Gastwirtschaft aufgewachsen, das war eine ähnliche Situation.

Ich mache meine Arbeit im Prinzip sehr gerne. Ich erlebe immer wieder Menschen in außergewöhnlichen Momenten, das ist bewegend und erfüllend. Allerdings gibt es bei der Art der Arbeit, die ich zu erfüllen habe, eine Bewegung weg von den Menschen hin zu mehr Organisatorischem. Die Arbeitsbelastung ist groß - und sie nimmt zu. Bei meinen Kindern habe ich deshalb oft das Gefühl, dass ich etwas versäume. Ich bin zwar anwesend, aber ich müsste mehr Zeit und innere Ruhe haben. Und die Kinder werden sehr schnell groß: Schon bald werden wir sie nicht mehr abends ins Bett bringen müssen.