Gesundheitskosten:Lauterbach: Homöopathie soll keine Kassenleistung mehr sein

Gesundheitskosten: Globuli und ähnliche Mittel sollen zukünftig nichtmehr von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden.

Globuli und ähnliche Mittel sollen zukünftig nichtmehr von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden.

(Foto: IMAGO/BSIP)

Schon länger hat der Bundesgesundheitsminister über diese Einsparung nachgedacht, nun macht er Ernst: Weil Globuli und vergleichbare Mittel nachweislich nicht wirken, sollen die Kassen nicht mehr dafür aufkommen.

Karl Lauterbach will die Finanzierung homöopathischer Behandlungen durch gesetzliche Kassen streichen. "Homöopathie macht als Kassenleistung keinen Sinn", schrieb der SPD-Politiker auf der Online-Plattform X (früher Twitter). "Die Grundlage unserer Politik muss die wissenschaftliche Evidenz sein." Auch den Klimawandel könne man "nicht mit Wünschelruten bekämpfen".

Basis für homöopathische Arzneimittel können pflanzliche, mineralische und tierische Substanzen sein. Die extrem verdünnten Stoffe werden zum Beispiel in Form von Kügelchen (Globuli) verabreicht. Wissenschaftlicher Konsens ist, dass für homöopathische Behandlungen keine Wirkung nachgewiesen ist, die über Placeboeffekte hinausgeht.

Zusatzversicherungen sollen weiter möglich sein

Wie der Spiegel berichtet, hat Lauterbachs Ministerium ein Empfehlungspapier an andere Ministerien verschickt, in dem dargelegt wird, wo bei der gesetzlichen Krankenversicherung gespart werden kann. Darin heißt es demnach: "Leistungen, die keinen medizinisch belegbaren Nutzen haben, dürfen nicht aus Beitragsmitteln finanziert werden." Und weiter: "Aus diesem Grund werden wir die Möglichkeit der Krankenkassen, in der Satzung auch homöopathische und anthroposophische Leistungen vorzusehen, streichen und damit unnötige Ausgaben der Krankenkassen vermeiden." Zusatzversicherungen sollen aber weiter möglich sein.

Der Gesundheitsminister hatte bereits im Oktober 2022 gesagt, dass er erwäge, Homöopathie als Kassenleistung zu streichen. "Obwohl die Homöopathie vom Ausgabenvolumen nicht bedeutsam ist, hat sie in einer wissenschaftsbasierten Gesundheitspolitik keinen Platz", sagte er seinerzeit dem Spiegel. Dem Magazin zufolge hatte er damals erklärt, durch die Maßnahme würden höchstens zehn Millionen Euro eingespart - ein verschwindend geringer Posten angesichts von Gesamtausgaben von knapp 300 Milliarden Euro. Nun teilte das Bundesgesundheitsministerium mit, man gehe von Einsparungen zwischen 20 und 50 Millionen Euro aus.

Diese Kassenleistung zu streichen, hätte gleichwohl symbolische Bedeutung: Zum einen werben Kassen damit gerne um neue Mitglieder. Zum anderen argumentieren Kritiker, dass durch die Unterstützung mancher Krankenkassen bei vielen Menschen der Eindruck entstehe, dass homöopathische Mittel doch eine wirksame Medizin seien.

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