LateinamerikaSüdliche Nachbarn blicken mit gemischten Gefühlen auf Trump

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Donald Trump an der Grenzmauer zu Mexiko, im Juni 2020. Als neuer US-Präsident will er das Nachbarland unter Druck setzen, die Migration nach Norden einzudämmen.
Donald Trump an der Grenzmauer zu Mexiko, im Juni 2020. Als neuer US-Präsident will er das Nachbarland unter Druck setzen, die Migration nach Norden einzudämmen. SAUL LOEB/AFP

Keine Weltgegend ist so eng mit den USA verbunden wie Lateinamerika. Hier reagiert man teils mit Hoffnung, teils mit Sorge auf den Sieg Trumps: Was seine zweite Amtszeit für die Region bedeutet.

Von Christoph Gurk, Buenos Aires

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Finge man an, unter den Präsidenten und Staatslenkerinnen dieser Welt nach einem Gegenstück zu Donald Trump zu suchen, würde man wohl ziemlich schnell bei Claudia Sheinbaum landen. Seit etwa einem Monat regiert die 62-Jährige Mexiko, eine studierte Umweltwissenschaftlerin, faktenbasiert, rational, weiblich, links. Mit Trump, dem Maga-Mann, reich, rüpelhaft und rechts, verbindet sie so gut wie nichts.

Zunächst war das kein Problem. Dann aber kam der 5. November 2024: Trump gewann zum zweiten Mal die US-Wahlen. Und auch wenn es bis zu seinem Amtsantritt am 20. Januar noch etwas dauert, so ist jetzt schon klar, dass seine Präsidentschaft gravierende Folgen haben könnte, für die Welt im Allgemeinen, ganz besonders aber auch für eine Region: Lateinamerika, Mexiko inklusive.

Jede Entscheidung in Washington spürt man hinunter bis nach Feuerland

Nirgendwo ist man enger mit den USA verbunden, durch politische, wirtschaftliche, historische, kulturelle und oftmals sogar familiäre Bande. Jede Entscheidung in Washington spürt man darum potenziell selbst noch in Feuerland, ganz im Süden Südamerikas.

Umgekehrt wird sich ein Präsident Donald Trump nach seinem Amtsantritt vermutlich verstärkt für die Region interessieren, birgt sie doch den Schlüssel zur Lösung gleich mehrerer Probleme, die ihm ganz besonders am Herzen liegen: illegale Migration, Drogenhandel und der angebliche Vormarsch des Sozialismus in der Welt.

Am heftigsten spüren wird man den Regierungswechsel wohl in Mexiko: In den vergangenen Jahren ist das Land zum größten Handelspartner der Vereinigten Staaten aufgestiegen und drei Viertel aller mexikanischen Exporte gehen zum reichen Nachbarn im Norden. Südlich der US-Grenze entstanden riesige neue Werkshallen, für Autos, Kühlschränke oder Waschmaschinen, die Wirtschaft wuchs, die Armut sank und die Landeswährung gewann an Wert.

Trump droht, Einfuhren aus Mexiko mit bis zu 75 Prozent zu besteuern

Möglich war dies alles auch wegen eines Freihandelsabkommens zwischen Mexiko, den Vereinigten Staaten und Kanada. Das aber will Donald Trump modifizieren und im schlimmsten Fall sogar aufkündigen. Dazu hat er schon im Wahlkampf angekündigt, Zölle anzuheben, einerseits um die heimische Wirtschaft in den USA zu stärken, andererseits, um die Regierung in Mexiko dazu zu zwingen, noch mehr zu tun gegen Drogenhandel und Migration.

Mit 25 Prozent würde er Einfuhren besteuern, droht Trump, sollte es Mexiko nicht schaffen, die „Kriminellen“ an der Grenze zu stoppen. „Und wenn das nicht wirkt, dann werden es 50 Prozent, dann 75 Prozent.“ Die Folgen für die mexikanische Wirtschaft wären verheerend. Und wie groß die Angst jetzt schon ist, lässt sich am Kurs des Peso ablesen: Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses in den USA stürzte die mexikanische Landeswährung auf den tiefsten Stand seit über zwei Jahren.

Donald Trump hat ebenfalls schon angekündigt, mehrere Millionen Menschen abschieben zu wollen, die ohne Aufenthaltsgenehmigung in den USA leben. Die allermeisten von ihnen stammen aus Lateinamerika. Umsetzbar in diesem Umfang ist der Plan wohl nicht, aber auch schon ein paar Zehntausend unfreiwilliger Rückkehrer würden reichen, um vergleichsweise kleine und wirtschaftlich schwache Länder wie Honduras, Guatemala oder Nicaragua zu destabilisieren.

Auch Kuba und Venezuela dürften zu den Verlierern gehören

Jobs müssten gefunden werden, gleichzeitig würde ein Teil der sogenannten remesas wegbrechen, Auslandsüberweisungen also, mit denen die Migranten vorher von den USA aus ihre Familien in der alten Heimat unterstützt haben und die dort oft längst einen erheblichen Teil der Wirtschaftsleistung ausmachen.

Zu den Verlierern durch den Wahlsieg Donald Trumps dürften auch Kuba und Venezuela gehören: Schon während seiner letzten Präsidentschaft wurden Sanktionen verschärft, Kuba sogar auf die Liste der Terrorstaaten gesetzt. Die Wirtschaft der beiden Länder hat seitdem massiv gelitten, und in Venezuela ebenso wie in Kuba hat ein Massenexodus eingesetzt. Hauptziel: USA. Was passieren wird, wenn Washington nun weiter die Grenzen dichtmacht, muss sich erst noch zeigen.

Je weiter man sich geografisch von den Vereinigten Staaten entfernt, desto gelassener reagieren die Regierungen. In Brasilien oder Chile, wo mit Luiz Inácio Lula da Silva und Gabriel Boric zwei linke Präsidenten regieren, gratulierte man höflich, mehr aber auch nicht. Die USA sind immer noch ein Fixstern in der Außenpolitik, im Handel aber sind die beiden Länder längst stärker mit China verbunden als mit den USA. Strafzölle fürchtet man nur bedingt und auch von Deportationen wäre man kaum direkt betroffen.

Ganz an der Südspitze Südamerikas trifft man dann auf ein Land, das hofft, zu den großen Gewinnern durch den Wahlsieg von Donald Trump zu gehören: Argentinien. Staatschef Javier Milei ist ein erklärter Bewunderer des zukünftigen US-Präsidenten und schon im Februar, bei einem Treffen in Washington, fiel der Argentinier am Rande einer Konferenz Trump buchstäblich um den Hals und sagte: „Sie waren ein großartiger Präsident, und ich hoffe, dass Sie es wieder werden.“

Nun, nach Trumps Erfolg, erhofft Milei sich einerseits praktische Vorteile: Argentinien ist hoch verschuldet und Trump soll dabei helfen, einen neuen Milliardenkredit beim Internationalen Währungsfonds zu bekommen. Es geht aber auch um ideologische Fragen: Staatschef Milei ist ein Libertärer, er will einen Markt möglichst ohne jede Schranken – was Trumps Protektionismus zuwiderläuft. Aber: Beide Männer verbindet eine tiefe Abneigung gegen Linke und Sozialisten.

Hier überschneiden sie sich mit einem dritten Politiker: Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro. Seit nunmehr zwei Jahren ist der nicht mehr im Amt. Aber wieso sollte eine Rückkehr nicht auch für ihn möglich sein? Das Vorbild dafür gäbe es schließlich schon: Donald Trump. Ab 20. Januar neuer und alter Staatschef der USA.

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