Wahlkampf:Laschet bleibt Optimist, trotz allem

Wahlkampf CDU - Warendorf

Druck von allen Seiten: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet.

(Foto: dpa)

Kurz vor dem letzten Triell sieht es eher düster aus für den CDU-Kandidaten. Sein Rezept: Weitermachen, auch wenn die SPD schon triumphiert - und aus den eigenen Reihen nicht nur Hilfe kommt.

Von Stefan Braun, Berlin

Die SPD sieht sich schon fast im Kanzleramt, die Schwesterpartei CSU sinniert über die Folgen einer Niederlage, und die jüngsten Umfragen machen höchstens ein kleines bisschen Hoffnung. Kurz vor dem letzten Triell mit seinen Kanzler-Konkurrenten am Sonntagabend steckt Unionskandidat Armin Laschet in einer schwierigen Lage. Mit ziemlicher Sicherheit wird die Union am Sonntag ein historisch schlechtes Wahlergebnis einfahren. Deshalb sprechen Freund wie Feind schon jetzt über Ursachen und Folgen.

Den Anfang machte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. Für ihn sei klar, dass die Partei mit den meisten Stimmen den nächsten Regierungsauftrag erhalten werde, sagte er dem Spiegel. "Für eine Regierung unter Führung einer zweitplatzierten Union fehlt mir gerade die Fantasie." Damit hat Dobrindt Laschets Handlungsspielraum deutlich eingeschränkt.

Nicht wenige in der CDU-Spitze denken seit Längerem darüber nach, ob es auch im Falle einer Niederlage noch rechnerische Möglichkeiten für eine Koalition unter Unionsführung geben könnte. Doch was für Christdemokraten wie ein Rettungsanker wirken könnte, hat die CSU-Spitze Laschet damit fürs Erste aus der Hand geschlagen. Und das, obwohl auch FDP-Chef Christian Lindner immer wieder daran erinnert, dass genau dieser Fall eintreten könne: ein relativer Erfolg der SPD und ein Bündnis unter CDU-Führung.

Dobrindt betonte im gleichen Interview zwar auch, dass er noch eine reelle Chance für einen Sieg der Union sehe. Aber er hob zugleich hervor, dass jedes Ergebnis unter 30 Prozent kein gutes Ergebnis sei, dem man daher auch nichts Positives abgewinnen sollte. Damit setzt die CSU-Schwester Laschet eine Marke, die er kaum erreichen können wird. In den jüngsten Umfragen schwanken die Zahlen für die Union zwischen 20 und 22 Prozent.

Scholz denkt über den Amtseid nach

Wie sicher sich die SPD inzwischen fühlt, zeigte ihr Kanzlerkandidat Olaf Scholz. In der Bild am Sonntag sagte er nicht nur zu, dass es mit ihm als Bundeskanzler schon im kommenden Jahr einen Mindestlohn von zwölf Euro und eine Rentengarantie geben werde. Er sinnierte auch darüber, ob er in seinem Amtseid die religiöse Formel "So wahr mir Gott helfe" sprechen werde. Seine Antwort: Das werde er nicht tun. Seine Botschaft: Das Kanzleramt ist nah.

Und dann übte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) wenige Tage vor der Wahl auch noch deutliche Kritik an Angela Merkel. Der frühere Kanzleramts-, Innen- und Finanzminister bemängelte im Tagesspiegel am Sonntag die Entscheidung der Kanzlerin aus dem Herbst 2018, den CDU-Vorsitz abzugeben, als Regierungschefin aber die volle Legislaturperiode im Amt zu bleiben. "Ich bin fest davon überzeugt, dass beides in eine Hand gehört: Parteivorsitz und Kanzleramt", sagte Schäuble. Dies sei nun seit drei Jahren nicht der Fall gewesen und erschwere dem Unionskandidaten Laschet jede klare Positionierung. Laschet könne weder sagen, dass er nun alles neu mache, noch, dass er alles mache wie bisher. Das sei ein Problem, das noch nicht alle verstanden hätten.

Schäuble hatte neben Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier großen Anteil daran, dass Laschet im unionsinternen Duell mit CSU-Chef Markus Söder um die Kanzlerkandidatur am Ende als Gewinner vom Platz ging. Schäuble kann als Bundestagspräsident nur im Amt bleiben, wenn die Union auch im nächsten Bundestag die stärkste Fraktion stellt. Traditionell besetzt stets diese Fraktion das Amt mit einer Frau oder einem Mann aus ihren Reihen.

Laschet selbst kämpft derweil weiter. "Wir gehen als Erste durchs Ziel", sagte der CDU-Politiker der Welt am Sonntag. Die Tendenz für die Union zeige nach oben. "Wir spüren, dass sich etwas bewegt." Er bleibt beim Rezept, vor einem Bündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei zu warnen. "Vielen Menschen wird erst jetzt bewusst: Es geht um eine Richtungsentscheidung." Die von der SPD erzählte Geschichte von Olaf Scholz als Erbe Angela Merkels sei falsch. "Die Menschen merken, dass Scholz und Merkel für zwei ganz unterschiedliche politische Richtungen stehen", sagte Laschet. "Die Hybris der SPD, diese Wahl sei schon gewonnen, zerschellt gerade an der Wirklichkeit."

© SZ
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