Union:Laschet ignoriert Söders Sticheleien

Ein Wahlplakat des CDU-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten, Armin Laschet, im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin.

Ein elektronisches Wahlplakat des CDU-Vorsitzenden Armin Laschet im Berliner Konrad-Adenauer-Haus.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Wie der CDU-Chef versucht, nach der Entscheidung über den Kanzlerkandidaten Ruhe in seine Partei zu bringen - und was er meint, wenn er eine "neue Gründerzeit" ausruft.

Von Robert Roßmann, Berlin

Die CDU-Spitze hat sich am Montag darum bemüht, nach den Auseinandersetzungen um die Kanzlerkandidatur den Konflikt mit der CSU zu befrieden und zur Sacharbeit zurückzukehren. Vor einer Woche hatte der CDU-Bundesvorstand noch stundenlang und zeitweise extrem kontrovers darüber beraten, ob Parteichef Armin Laschet oder der CSU-Vorsitzende Markus Söder die Union in den Wahlkampf führen soll. Am Ende obsiegte Laschet. Diesmal ging es im Präsidium und im Bundesvorstand der CDU stattdessen um die Pandemie, das Wahlprogramm und die Organisation des Wahlkampfs.

Alle Teilnehmer hätten "es als wohltuend empfunden, auch einmal über Ideen für die Zukunft" zu sprechen, sagte Laschet nach den Sitzungen. Der CDU-Vorsitzende versuchte bei seinem Auftritt, neuerliche Sticheleien Söders gegen ihn zu ignorieren. Auf die Frage, ob der CSU-Chef angesichts der fortwährenden Kritik noch ein vertrauenswürdiger Partner sei, sagte Laschet: "Ja, auf jeden Fall." Es gebe "auch sehr viel Übereinstimmung". CDU und CSU würden ein gemeinsames Wahlprogramm vorlegen. Und er freue sich darüber, dass Söder zugesagt habe, der CDU beim wichtigen Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt zu helfen.

Laschet ist wegen seiner schlechten Umfragewerte und der Vorbehalte in großen Teilen der CDU-Basis gegen ihn in der Defensive. Wie viele Parteimitglieder seit seiner Ausrufung zum Kanzlerkandidaten aus der CDU ausgetreten sind, konnte Laschet am Montag nicht beantworten, da es angeblich noch keine bundesweite Übersicht gibt.

Der CDU-Chef bemüht sich jetzt, die Vorbehalte gegen ihn abzubauen. Laschet sagte, er sei bereits in Kontakt mit den Landesverbänden. Mit Kreisvorsitzenden in Niedersachsen und Hessen habe er bereits in der vergangenen Woche gesprochen, in dieser Woche folgten Beratungen mit Kreisvorsitzenden in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Außerdem seien Beratungen mit den ostdeutschen Landesverbänden geplant.

Vor der Sitzung des CDU-Bundesvorstandes hatte Daniel Caspary, der Chef der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, mit Blick auf Söder gesagt: "Ich hoffe, das Sticheln hört sehr bald auf." Die Union habe einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten und solle "jetzt alles dafür tun, dass wir auch im Interesse Deutschlands und im Interesse der Union die Bundestagswahl gewinnen". Die stellvertretende CDU-Chefin Julia Klöckner rief die Schwesterparteien zur Geschlossenheit auf, da die Union "nur gemeinsam stark" sei. Jetzt gehe es "um Inhalte".

Laschet will nun mit der Forderung nach einem digitalen Aufbruch und einem "Modernisierungsjahrzehnt" in die Bundestagswahl ziehen. "Wir brauchen eine neue Gründerzeit", sagte der CDU-Chef. Start-ups seien die Mittelständler von morgen, ihnen müsse man es so einfach wie möglich machen. Im Falle eines Wahlsieges wolle man außerdem ein Digitalisierungsministerium einrichten. An der CDU-Vorstandssitzung hatten auch Johannes Reck von "Get your guide", Katharina Jünger von Teleclinic sowie digitalpolitische Experten aus der Unionsfraktion teilgenommen. In der Sitzung wurde außerdem verkündet, dass die CDU mit der Agentur Serviceplan in den Bundestagswahlkampf ziehen wird - die Agentur hat ihren Sitz in München.

© SZ/rop
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