Armin Laschet in Frankreich:Der nächste Freund in Paris

Armin Laschet legt in Paris eine weiße Rose an der Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge vor rund sechs Jahren ab.

Armin Laschet legt in Paris eine weiße Rose an der Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge vor rund sechs Jahren ab.

(Foto: Dorothea Hülsmeier/dpa)

Kurz nach Scholz ist nun Laschet zu Besuch bei Macron. Beide Kanzlerkandidaten betonen ihre Nähe zu Frankreich, weshalb in der französischen Hauptstadt Gelassenheit herrscht über die Bundestagswahl.

Von Nadia Pantel, Paris

Armin Laschet war am Mittwoch in Paris, so viel ist sicher. Er gedachte der Opfer der Anschläge des 13. November 2015 und forderte eine verstärkte europäische Zusammenarbeit gegen den Terrorismus, es brauche ein "europäisches FBI", so Laschet. Doch bei der Frage, in welcher Funktion Laschet denn nun genau die französische Hauptstadt besuchte, beginnen die ersten Unsicherheiten. In der Agenda des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron steht: "Unterhaltung mit Armin Laschet, Kandidat der CDU/CSU für das deutsche Kanzleramt".

Die Staatskanzlei Nordrhein-Westfalens hingegen teilt mit, dass nicht der Wahlkämpfer Laschet an die Seine reise, sondern der "Bevollmächtigte der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit". Als sei Laschet nicht im Endspurt Richtung Staatsspitze, sondern einfach ein treuer Diener seines Amtes. In seiner Rolle des Kulturbevollmächtigten werde er mit Macron darüber sprechen, wie man "gemeinsam Grenzen überwinden könne".

Zwei Tage vor Laschet hatte bereits sein Konkurrent, der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich überwunden und Macron für ein einstündiges Gespräch im Élysée-Palast getroffen. Der geringe Abstand zwischen den zwei Besuchen hat einen Wettstreit entstehen lassen: Wer ist der bessere Frankreich-Freund, Scholz oder Laschet? Tatsächlich sind beide Männer ungewöhnlich gut für die Rolle qualifiziert: Scholz war Laschets Vorgänger im Amt des Kulturbevollmächtigten. Französisch sprechen sie zwar beide nicht, doch ihre Kontakte zur Regierung in Paris sind so eng, dass der Blick von Frankreich aus auf die Bundestagswahl fast von einer gewissen Entspanntheit geprägt ist. Ob es nun Scholz oder Laschet wird: Es wird sicher ein Freund.

Sowohl der SPD- als auch der CDU-Mann können sich Unterstützung aus der Vergangenheit holen. Scholz erzählte am Montag von den langen Gesprächen mit Altkanzler Helmut Schmidt, der sozusagen sein Mentor in deutsch-französischen Freundschaftsfragen gewesen sei. Damit versuchte Scholz sich als Erbe der ganz großen Liebe zu positionieren. Schließlich wird kaum eine Politikerbeziehung so sehr romantisiert wie die des deutsch-französischen Duos Helmut Schmidt/Valéry Giscard d'Estaing. Französische Medien betonen hingegen ausdauernd, dass Laschet eher Helmut Kohl ähnele als Angela Merkel. Ein Katholik aus dem Rheinland also, der, anders als die ostdeutsche Merkel, schon qua Herkunft einen besonderen Zugang zu Frankreich habe.

So wie Laschet und Scholz nun vor Pariser Kulisse um weltpolitisches Gewicht buhlen, so fuhr 2017 auch Macron als Wahlkämpfer nach Berlin. Und wurde in genau dieser Funktion, als Kandidat, im März 2017, einen Monat vor der Wahl, von Merkel empfangen. Sehr zum Unmut des konservativen Kandidaten François Fillon, der im Januar 2017 Merkel besucht hatte und der auf seinem privilegierten Zugang zur Kanzlerin beharrte. Schließlich gehören der konservative Republikaner Fillon und die CDU-Frau Merkel derselben Parteifamilie an. Dass Merkel bis nach dem ersten Wahlgang wartete, um klare Sympathien für Macron zu bekunden, tröstete Fillon nicht.

Die Grünen zeigen offen ihre Begeisterung für Macrons Europa-Pläne

Andere in der deutschen Regierung hatten da ohnehin schon längst ihre Zurückhaltung fahren lassen. Der damalige sozialdemokratische Außenminister Sigmar Gabriel ließ sich im März 2017 Arm in Arm mit dem Kandidaten Macron fotografieren und sagte, er sei "absolut sicher", dass Macron "unsere Unterstützung verdient" habe. Und das, obwohl zu diesem Zeitpunkt in Frankreich auch der Sozialdemokrat Benoît Hamon noch auf der Kandidatenliste stand. Doch kein anderer Kandidat hatte so klar wie Macron um Deutschland geworben. Ob beim konservativen Fillon oder bei den starken Extremkräften, dem linken Jean-Luc Mélenchon und der rechten Marine Le Pen: Berlin stand im französischen Wahlkampf 2017 für den zu dominanten Nachbarn, den es einzuhegen gelte. Außer bei Macron.

Wenn Frankreich nun schon jetzt deutlich nervöser mit seinen eigenen Kämpfen für die Präsidentschaftswahl 2022 beschäftigt ist als mit der Bundestagswahl, dann liegt das nicht nur daran, dass eine Wahl im Inland immer die im Ausland überschattet. Sondern auch daran, dass sowohl Frankreich als auch Europa von der Wahl in Berlin keinen extremen Bruch zu befürchten haben. In Deutschland wartet, anders als in Frankreich, keine Marine Le Pen auf ihre Chance. Und auch wenn die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock noch keinen Werbebesuch in Paris gemacht hat, zeigen die deutschen Grünen schon lange offen ihre Begeisterung für Macrons europapolitische Pläne. Selbst wenn sie dafür zwei Augen für Macrons Atomkraft-Treue und seine restriktive Asylpolitik zudrücken müssen.

© SZ
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