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Bundestagswahlkampf der Union:Erst die Themen, dann die Köpfe

Armin Laschet allein auf weiter Flur - so wird es nicht bleiben.

Armin Laschet allein auf weiter Flur - so wird es nicht bleiben.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Wen holt Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet in sein Team? Manche Namen fallen immer wieder.

Von Stefan Braun und Boris Herrmann, Berlin

Es war einmal ein Schattenkabinett, das tatsächlich aus dem Schatten kam. Aus dem Schatten hoher Bäume. Von einem Waldstück auf der Halbinsel Hermannswerder bei Potsdam spazierten damals, im Sommer 2009, zehn Frauen und neun Männer auf die wartenden Fotografen zu. Es entstand ein Gruppenbild mit Seekulisse, über dem, wie man rückblickend weiß, vor allem auch der Schatten einer Wahlniederlage lag. Niemand aus diesem "Team Steinmeier" von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier schaffte es nach der Bundestagswahl ins Kabinett. Kanzlerin Merkel regierte mit der FDP weiter. Unter den Leuten des aktuellen Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet gilt die damalige Inszenierung trotzdem als Vorbild - nämlich dafür, wie man es nicht machen sollte.

Seit Wochen wird darüber spekuliert, wie Laschets Team aussehen könnte. Dem Vernehmen nach wird es aber kein klassisches Schattenkabinett geben - schon allein deshalb nicht, weil der CDU-Chef die aktuellen Kabinettsmitglieder der Union nicht diskreditieren möchte. Man wird wohl auch vergeblich auf ein Event vor fotogener See-, Wald- oder Wiesenkulisse warten. Vor der Landtagswahl 2017 in Nordrhein-Westfalen, die für Laschet der Referenzpunkt eines erfolgreichen CDU-Wahlkampfes ist, bildete er vielmehr Themenschwerpunkte, um die herum er nach und nach kleinere Kompetenzteams gruppierte. So ähnlich dürfte es auch diesmal ablaufen.

Bislang hat Armin Laschet erst ein Team-Mitglied offiziell benannt, seinen einstigen Rivalen Friedrich Merz. Dass Laschet diese durchaus gewichtige Nachricht Ende April in einer Videokonferenz mit der baden-württembergischen CDU platzierte, gehörte vermutlich zur kalkulierten Beiläufigkeit.

Jens Spahn stellt sich im "Team Laschet" quasi von selbst auf

Einige weitere Mitglieder seiner Mannschaft stellen sich quasi von selbst auf. Das gilt etwa für Jens Spahn, der sich im Ringen um den Parteivorsitz ins "Team Laschet" eingegliedert hatte und an dem der Kanzlerkandidat deshalb kaum vorbeikommt. Auch eine Nominierung von Serap Güler, der nordrhein-westfälischen Staatssekretärin für Integration, würde niemanden überraschen. Die 40-Jährige gilt als enge Vertraute Laschets und wäre als junge, sozial engagierte Frau mit Migrationshintergrund ein Gegengewicht zum liberal-konservativen Merz. Und schließlich ist da noch Annegret Kramp-Karrenbauer.

Die Ex-Vorsitzende, Ex-Generalsekretärin, Ex-Ministerpräsidentin dürfte ebenfalls zur engsten Auswahl gehören. Obwohl sie den Vorsitz aufgab, zählt sie weiterhin zu den einflussreichsten Frauen in der CDU. Sie agiert als Verteidigungsministerin zwar nicht immer glücklich, aber sie legt gerade auf den Großbaustellen der Bundeswehr eine Zähigkeit an den Tag, die ihrem Nachfolger an der Parteispitze gut gefallen dürfte. Außerdem hat sie Laschet im Konflikt um die Kanzlerkandidatur standhaft unterstützt. Das wird er ihr nicht vergessen.

Weitere wichtige Köpfe: Nadine Schön und Andreas Jung

Es gibt im Grunde nur ein Argument, das gegen Kramp-Karrenbauer spricht: Sie ist Saarländerin. Aus dem Saarland stammt nämlich auch Nadine Schön, 38. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende hat sich innerhalb der CDU zuletzt als treibende Kraft der Digitalisierung und Entbürokratisierung profiliert. Wenn jemand Laschets Lieblings-Slogan vom "Modernisierungsjahrzehnt" ein Gesicht gibt, dann ist es Schön. Für sie dürfte Laschet vielleicht sogar in Kauf nehmen, dass die Saarländerinnen in seinem Team so überrepräsentiert sind wie die Mitglieder aus NRW.

Obwohl Schön nicht im Parteivorstand sitzt, durfte sie neulich gemeinsam mit Laschet nach einer CDU-Vorstandssitzung auftreten.

Sitzungen der Bundestagsfraktionen

Nadine Schön durfte jüngst gemeinsam mit Laschet nach einer CDU-Vorstandssitzung auftreten.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Das wurde von Eingeweihten als Zeichen gedeutet, dass sie im Wahlkampf eine zentrale Rollen spielen soll. Wenn die Zeichendeuter richtig liegen, dann dürfte auch Andreas Jung eine große Chance haben, dazu zu gehören. Der gebürtige Freiburger mit Wahlkreis Konstanz stand vor wenigen Wochen neben Laschet in der CDU-Parteizentrale, als der Kanzlerkandidat die Lehren der Christdemokraten auf das Urteil des Verfassungsgerichts zum Klimaschutz vorstellte. Laschet hatte ihn nicht als Begleitmusik im Gepäck, sondern als seinen Experten. Wer will, kann sich daraus fast alles erschließen.

Zumal der liberale Baden-Württemberger Jung nicht nur wegen seiner Umwelt- und Energie-Expertise ins Profil passt. Er konnte zuletzt auch seinen Einfluss ausbauen. Leise, unaufgeregt, freundlich. Seit 2016 führt er die Landesgruppe aus dem Südwesten; 2018 rückte der 46-jährige zum stellvertretenden Fraktionschef auf. Thema und Macht können für Laschet also gut passen.

Moderatorin Tanit Koch / Medientage München 2019 / Eröffnung und Gipfel / Messe München /23.10.2019 / *** Moderator Tani

Tanit Koch soll Laschet ebenfalls beraten - dies lässt Erinnerungen wach werden an den Stoiber-Wahlkampf und das Engagement von Michael Spreng.

(Foto: Lackovic/Imago)

So wie er sich jetzt die frühere Bild-Chefredakteurin Tanit Koch geholt hat. Dieser Akt erinnert an Edmund Stoiber und wird in der Parteizentrale auch genau so wahrgenommen. Der hatte 2002 den Springer-Mann Michael Spreng engagiert, als Berater für Medien und Botschaften. Bei Koch wird die Bedeutung der sozialen Medien noch mit Wucht dazu kommen. Wie Spreng gilt sie als konservativ, aber nicht als eine, die Schaum vor dem Mund hat. Spreng hatte denn auch großen Anteil daran, dass Stoiber viel von seinem Scharfmacher-Image los wurde.

Welches Ziel Koch mit Laschet umsetzen soll, ist noch nicht bekannt. Sicher ist nur eines: Das Endergebnis soll diesmal anders aussehen. Stoiber gewann 2002 zwar fast. Aber eben nur fast. 6027 Stimmen hatte Gerhard Schröder am Ende Vorsprung. Das darf sich aus Sicht der CDU natürlich nicht wiederholen.

© SZ
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Tanit Koch beim Global Media Forum zum Thema Shifting Powers im ehemaligen Plenarsaal des Bundestage

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:Laschets Coup

Intellektuell beweglich, international interessiert: Mit der Berufung der früheren "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch als Wahlkampfberaterin ist Kanzlerkandidat Armin Laschet eine überaus überzeugende Personalentscheidung gelungen.

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