Armin Laschet:Weitermachen, allen Widrigkeiten zum Trotz

CDU-Vorsitzender Armin Laschet

Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Schlechte Umfragen, von Angela Merkel öffentlich kritisiert: In seiner Rede zum Wahlprogramm lässt der CDU-Chef aber keine Zweifel, dass er sich das Kanzleramt dennoch zutraut.

Von Robert Roßmann, Berlin

Bevor der Parteivorsitzende seine Rede in der CDU-Zentrale beginnt, lassen sie noch einen Einspielfilm laufen. Das ist nichts Ungewöhnliches - derlei machen Parteien gerne, um für Stimmung zu sorgen. Gefällige Bilder, aufputschender Sound. Auf den Text kommt es meistens nicht so an. Aber diesmal stutzt man: "Wir sind Macherinnen und Macher, keine Kopf-in-den-Sand-Stecker", tönt es aus dem Lautsprecher. Die Frage sei nur: "Was wollen wir, was danach kommt? Wir haben es in der Hand, also packen wir's an." Dann ist der Einspielfilm zu Ende, und Armin Laschet beginnt seine Rede.

Es ist genau der Armin Laschet, der gerade schwer damit zu kämpfen hat, dass jemand anderes als Macher wahrgenommen wird - und nicht er. Im jüngsten Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen sagten nur 23 Prozent der Befragten, sie könnten sich den CDU-Chef als Nachfolger Angela Merkels vorstellen. CSU-Chef Markus Söder kam auf 56 Prozent. Die Frage "Was wollen wir, was danach kommt?" ist damit zumindest im Politbarometer eindeutig beantwortet. Und wenn die Forschungsgruppe gefragt hätte, wer der größere Kopf-in-den-Sand-Stecker ist, hätte Laschet vermutlich auch nicht gut ausgesehen.

Laschet gilt vielen als der schlechtere Corona-Krisen-Manager, obwohl die Inzidenz in Nordrhein-Westfalen - Stand Dienstag - niedriger ist als in Bayern. Und Laschets CDU beutelt es gerade stärker als Söders CSU, obwohl die Christsozialen bei den Korruptionsaffären keinen Vergleich mit den Christdemokraten scheuen müssen.

Und dann ist da noch die Kanzlerin. Jahrelang hat Söder sie getriezt - in der Flüchtlingspolitik sogar hart angegangen, während Laschet Merkel treu zur Seite stand. Doch am Sonntagabend hat Merkel ausgerechnet Laschet öffentlich kritisiert - die Kanzlerin ihren Parteivorsitzenden und möglichen Nachfolger. Härter kann es einen kaum treffen.

"Wir werden das ändern, wir werden das besser machen", sagt er

Laschet verteidigt seinen angeblich zu nachlässigen Corona-Kurs zwar - im Parteipräsidium am Montag haben ihn andere CDU-Ministerpräsidenten unterstützt. Geschmerzt hat ihn Merkels Kritik trotzdem. Das ist die Lage, als Laschet an diesem Dienstag seine Rede beginnt. Die CDU startet den Beteiligungsprozess für ihr Wahlprogramm. Der Parteichef spricht zum Auftakt. Und dabei kann man einen Mann sehen, der allen Widrigkeiten zum Trotz einfach weitermacht.

Laschet verspricht Verbesserungen bei der Pandemie-Bekämpfung. Fehler und persönliches Fehlverhalten in den eigenen Reihen hätten dazu geführt, dass das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Union gesunken sei, sagt er. "Wir werden das ändern, wir werden das besser machen, dafür stehe ich persönlich ein." Laschet warnt vor einer rot-rot-grünen Koalition. "Die Zukunft lässt sich nicht mit ideologischen linken Experimenten gestalten", sagt der CDU-Chef. Die Union sei "das Bollwerk gegen ideologiegetriebene Politik, die in alle Lebensbereiche der Menschen eingreift".

Laschet wirbt auch für ein "Jahrzehnt der Modernisierung". Ein "Weiter so" dürfe es nicht geben. Staat und Verwaltung müssten digitaler, schneller, schlanker, flexibler und effizienter werden. "Wir können Veränderung, doch wir sind in den letzten Jahren zu bequem geworden", sagt er. Gut 20 Minuten spricht Laschet - und zeigt dabei keine Zweifel, dass er sich trotz allem das Kanzleramt zutraut.

Und was macht Markus Söder? Eigentlich haben sich CDU und CSU versprochen, in diesem Wahlkampf Seit' an Seit' zu schreiten. Doch Söder sagt in München: "Ich finde es auch sehr seltsam, wenn der CDU-Vorsitzende mit der CDU-Kanzlerin ein halbes Jahr vor der Wahl streitet." Der Wettbewerb um die Kanzlerkandidatur wird härter.

© SZ/stad
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