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Laschet in Israel:Im Wortlaut der Kanzlerin

Laschet besucht Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Armin Laschet, Ministerpräsident von NRW, legt in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem einen Kranz neben der ewigen Flamme nieder.

(Foto: dpa)
  • Bei seinem Besuch in Israel erweitert Armin Laschet den Satz der Kanzlerin, dass die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson gehöre.
  • Seine Reise war schon geplant, bevor er seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz bekanntgegeben hatte.
  • In Jerusalem trifft der Ministerpräsident von NRW Staatspräsident Reuven Rivlin.

Nervosität merkt man dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet an bei seinem ersten Auslandsbesuch nach der Bekanntgabe seiner Kandidatur für den CDU-Vorsitz. Ausgerechnet nach Israel führt die Reise, die zur Eröffnung der Repräsentanz seines Bundeslandes schon länger geplant war. In Israel wird jeder Schritt eines deutschen Politikers genau beobachtet - erst recht von jemandem, der ins Kanzleramt in Berlin einziehen möchte. 23 Journalisten sind aus Deutschland mitgereist, einige haben sich erst nach Laschets Kandidatur angemeldet. Auch Fotografen aus Israel begleiten ihn am Sonntag bei seinem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und in der Präsidentschaftskanzlei in Jerusalem.

Dass ein Landespolitiker beim Präsidenten einen Termin bekommt, ist keine Selbstverständlichkeit. Als "großen Freund Israels" und "eine der wichtigsten und vielversprechendsten Persönlichkeiten der CDU in Deutschland" begrüßt ihn Reuven Rivlin. Laschet rutscht auf seinem Stuhl herum, knetet seine Hände und bedankt sich kurz auf Englisch, um auf Deutsch fortzufahren. Wie schon in Yad Vashem sagt er, es dürfe "nie wieder Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung" geben.

Laschet weiß, jeder Satz muss sitzen. Er erwähnt die Anschläge von Hanau und Halle nicht direkt, verweist aber darauf, dass es erneut Antisemitismus und rechte Gewalt in Deutschland gebe. Dann sagt er einen Satz, der in dieser frei vorgetragenen kurzen Rede wohl vorbereitet ist: "Ich schäme mich, dass wir das in Deutschland 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz wieder erleben."

"Sicherheit von Juden in Deutschland garantieren"

Zwei Sätze später kommt er auf die zentralen Worte von Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede vor der Knesset 2008 zu sprechen: von der Sicherheit Israels, die zur deutschen Staatsräson gehöre. Am Morgen hatte Botschafterin Susanne Wasum-Rainer der Delegation erklärt, dass diesen Satz fast jeder in Israel kenne und man aufmerksam verfolge, wer nun Merkel nachfolge. Laschet bekennt sich ausdrücklich zu diesem Satz und erweitert ihn noch: "Staatsräson ist auch, die Sicherheit von Juden in Deutschland zu garantieren." Mit seinem Besuch wolle er auch signalisieren: "In Deutschland gibt es einen starken Staat, eine starke Zivilgesellschaft, die Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung bekämpfen wird." Zum Abschluss erklärt er, die Zukunft liege in der Zusammenarbeit - um einen Satz auf Englisch zu sagen: "This is the future of our nation for our young people to create a new relationship between Israel and Germany."

Im Gespräch mit Journalisten sagt Laschet später, Rivlin habe sich mit Sorge nach der AfD erkundigt. Er habe ihm versichert: "Wir wollen nie mit Stimmen der AfD in Regierungsfunktionen kommen." Mit diesem ersten Auftritt versucht Laschet, im Wettbewerb mit dem erfahrenen Wirtschaftsexperten Friedrich Merz und Norbert Röttgen, dem Chef des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, in der Außenpolitik Profil zu gewinnen. Als Politiker weiß Laschet, wie man historische Momente in der Gegenwart für die Zukunft nutzt: Kurzfristig lud Laschet den gleichnamigen Enkel des deutschen Kanzlers Konrad Adenauer ein, ihn zu begleiten. Er arrangierte in Tel Aviv ein Treffen mit dem Enkel von Israels Staatsgründer David Ben Gurion, Moshe Ben Eliezer. Dieses Treffen sollte an die erste Begegnung von Ben Gurion und Adenauer am 14. März 1960 in New York erinnern, die den Grundstein zur Aussöhnung beider Länder legte. Damit wollte sich Laschet in Israel wohl auch als Brückenbauer in Deutschlands CDU positionieren.

© SZ vom 02.03.2020/mane

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