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Laschet beim DGB:Wenn der Kanzlerkandidat mit roter Maske ins Autokino geht

1. Mai · Demonstrationen - Düsseldorf

Farblich passt die Maske zum Auftritt beim DGB: Armin Laschet in Düsseldorf.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Armin Laschet fordert am Tag der Arbeit als Gast des DGB in Düsseldorf mehr Anerkennung für Menschen in Pflegeberufen. Dann bekommt er Hausaufgaben.

Von Jens Schneider, Berlin

Es ist eines der merkwürdigen Bilder, die später als Symbol für diese schwierige und auch bizarre Zeit dienen könnten. Eine Kundgebung an diesem Samstag zum Tag der Arbeit, in Corona-Zeiten: ein Autokino in Düsseldorf, vor einer Bühne stehen Autos in Reihen, in denen die Teilnehmer der Mai-Demo sitzen. Mehr Sicherheitsabstand zu den Nebenleuten geht kaum. Einige haben Gewerkschaftsfahnen dabei, die über dem Auto im Wind flattern, und wenn ihnen auf der Bühne etwas gefällt, lassen sie ihre Hupe ertönen. Und man kann im Internet zuschauen.

Gegen Mittag kommt Armin Laschet auf die Bühne. Der Kanzlerkandidat der Unionsparteien trägt eine rote Maske, und die Gastgeberin Anja Weber, die DGB-Vorsitzende in Nordrhein-Westfalen, bemerkt zur Begrüßung, dass ihr das gefällt.

Der CDU-Vorsitzende ist für eine halbe Stunde zu einem Gespräch mit Weber eingeladen, es ist einer der ersten Auftritte dieser Art seit die Union sich für ihn als Kanzlerkandidaten entschied. Laschet wird ohne lange Vorrede darauf angesprochen, dass die Lasten der Pandemie nicht von allen gleich getragen werden. "Ich glaube", antwortet der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, "dass die Beschreibung richtig ist, dass die Lasten in der Pandemie ungleich verteilt sind."

Laschet spricht davon, dass jene, die in prekären Beschäftigungsverhältnissen sind, auch in schlecht bezahlten Jobs sind, "zum Teil die größte Arbeit leisten." Er nennt Verkäuferinnen und Verkäufer im Lebensmitteleinzelhandel, "die am Anfang ohne Maske, ohne Plexiglas trotzdem die Lebensmittelversorgung aufrechterhalten haben, als viele im Lockdown waren." Und er spricht vor allem die Beschäftigten in der Pflege in Krankenhäusern an, die "bis an die Grenze der Erschöpfung und darüber hinaus arbeiten."

Es hat Tradition in Nordrhein-Westfalen, dass der Ministerpräsident des Landes am Tag der Arbeit zur Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes kommt, daran erinnert Gewerkschaftschefin Weber. In Düsseldorf war das in vielen Jahren meist eine Frau oder ein Mann von der SPD, und da gehörte auch größere Nähe zur Tradition. Der Christdemokrat Laschet setzt aber auch auf Harmonie, betont Gemeinsamkeiten. Mit Blick auf Pflegeberufe sagt er, dass eine stärkere Anerkennung dieser Berufe gebraucht werde, insbesondere für die Pflege sei die Tarifbindung eine wichtige Frage.

"Dann müssen wir als Staat reagieren"

Der Moderator ermuntert das Publikum, es dürfe auch für den Ministerpräsidenten gehupt werden. Laschet sagt, dass der Bund seine Möglichkeiten nutzen solle, wenn es um die Arbeit in diesem Sektor gehe. Er spricht sich dafür aus, "die Tarifbindung da auch zur Bedingung zu machen, wenn man in Zukunft im Pflegesystem mitwirken will". Auch für die Arbeit im Homeoffice brauche es geregelte Verhältnisse - jetzt, da generell gelernt worden sei, dass Homeoffice besser gehe als viele das geglaubt hatte.

Als ein Problem beschreibt Laschet die höhere Gefährdung, der ärmere Menschen in Corona-Zeiten ausgesetzt sind. "Inzidenzzahlen sind höher, wo Menschen enger beieinander wohnen", sagt Laschet, "eigentlich logisch". So gebe es in der Stadt Köln in prekären Stadtteilen eine Sieben-Tages-Inzidenz von Fünfhundert oder gar Sechshundert und in anderen Stadtteilen von null. "Dann müssen wir als Staat darauf reagieren, da präsent sein, da eine Impfpriorität einführen, wo man nicht dauernd Abstand halten kann." Köln will voraussichtlich an diesem Montag mit der bevorzugten Impfung von Menschen in Stadtteilen mit hoher Inzidenz beginnen.

Mit Blick auf Kinder und Jugendliche müsse zudem viel investiert werden, um - nach anderthalb Jahren zumeist ohne Unterricht - gerade jene zu fördern, die Unterstützung dringend bräuchten, häufig aus prekären Verhältnissen. Derzeit seien viele nötige Angebote wie Ganztagsunterricht oder frühkindliche Bildung nicht oder nur auf Distanz möglich, so Laschet. "Nach der Krise haben wir einen Riesen-Aufholbedarf, um diese Spaltung zu überwinden."

Laschet bekommt Hausaufgaben

Wie aber sollen solche Initiativen finanziert werden, wird der Kandidat gefragt. Er hofft auf einen schnellen Aufschwung. "Wir müssen schnell wieder zu höheren Beschäftigungszahlen kommen, damit auch die Einnahmen der Sozialsystem und der Steuersysteme steigen", sagt er.

Es ist ein Tag der Arbeit, an dem wegen Corona viele der gängigen Rituale der Gewerkschaften ausfallen müssen. Am Ende des Laschet-Auftritts gibt es freilich einen Klassiker: einen Katalog mit Forderungen. Zwei junge Frauen von der DGB-Jugend kommen auf die Bühne und überreichen ein großes "Hausaufgabenheft". Der sehr geehrte Herr Laschet strebe ja die Versetzung ins Kanzleramt an, erklären sie ihm, und da hätten sie einige Aufgaben, etwa eine gesetzliche Ausbildungsgarantie für alle jungen Leute, Tarifverträge für studentische Beschäftigungen an Hochschulen. Sie fordern ein Landesaufnahmeprogramm für Geflüchtete, "das Sterben im Mittelmeer dürfen wir uns nicht mehr weiter ansehen".

Zu alledem wird aus den Autos lang und vieltönig gehupt. Der Kandidat Laschet sagt nichts dazu, er stellt sich mit seiner roten Maske zu den beiden Frauen und ihrem großen Transparent, das seinen Namen und sein Bild trägt.

© SZ/segi/odg
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