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Laos:Besuch mit Zündstoff

U.S. Secretary of State John Kerry greets U.S. Embassy staff in Vientiane

John Kerry beim Empfang in Laos. Er ist erst der dritte US-Außenminister, der das Land nach dem Vietnam-Krieg besuchte. Noch heute gibt es Tote durch Blindgänger von damals.

(Foto: REUTERS)

US-Außenminister Kerry hat Laos einen Besuch abgestattet. Er will gefährliche Altmunition aus Zeiten des Vietnamkriegs entschärfen helfen - und eine lange politische Krise. Denn die Region hat eine strategische Bedeutung.

Von Arne Perras, Singapur

Manchmal finden Kinder die fremdartigen Kugeln irgendwo auf den Feldern oder im Wald. Und fühlen sich von ihnen magisch angezogen. Viele verloren so schon ihre Hände, wurden blind, oder haben die Explosionen gar nicht überlebt. "Bombies" nennen die Laoten das schreckliche Erbe des Krieges, ein Wort von bizarrer Niedlichkeit angesichts des Grauens, das die Relikte des Vietnamkriegs bedeuten. Noch immer steckt hochgefährliche Clustermunition im Boden. Und sie beschäftigte nun Anfang der Woche auch US-Außenminister John Kerry, der aus Riad kommend kurz in Vientiane landete.

Die Amerikaner warfen einst die Streubomben während ihres sogenannten geheimen Krieges ab. 580 000 Einsätze flogen sie über Laos, um den Erzfeind im umkämpften Nachbarland zu schwächen. Washington wollte so in Laos die Nachschubwege für den kommunistischen Gegner in Vietnam abschneiden. Etwa 270 Millionen Streubomben fielen zwischen 1964 und 1973 aus US-Bombern auf Laos, eine so ungeheure Zahl, dass sich viele jetzt fragen, wie es die USA jemals anstellen wollen, zu diesem Land wieder engere Beziehungen aufzubauen. Andererseits gab es ähnliche Zweifel schon mit Blick auf Vietnam. Und zur Überraschung vieler rücken Hanoi und Washington gerade deutlich zusammen, weil beide Staaten die wachsende Macht der Chinesen fürchten.

Nun also Laos: Kerry blieb einen Tag, bevor er am Montag nach Kambodscha reiste. Im Februar will Präsident Barack Obama die Führer der zehn südostasiatischen Staaten zu einer Konferenz in Kalifornien empfangen. Kerry ebnete nun in Vientiane den Weg dafür. An Laos kommen die Amerikaner nicht vorbei, denn das noch immer kommunistisch geführte Land hat 2016 den Vorsitz im Verband der südostasiatischen Länder (Asean) übernommen.

Die USA wollen ihr Verhältnis zu möglichst allen südlichen Nachbarn Chinas ausbauen, um ein Gegengewicht zum rasch wachsenden Einfluss Pekings in der Region zu schaffen. Washington hofft auf einen stärkeren Zusammenhalt der Asean-Staaten, um Chinas Vordringen im Südchinesischen Meer zu bremsen. Peking streitet dort mit mehreren Staaten um Ansprüche auf Inseln, Riffe und Meeresgebiete. Zugespitzt hat sich der Konflikt vor allem mit Vietnam und den Philippinen.

Laos hat keinen Zugang zum Meer, ist also in diese Streitigkeiten nicht direkt involviert. Und es ist auch nicht zu erwarten, dass sich das Land schnell und deutlich von Peking löst. China hat seinen Einfluss in dem armen Nachbarstaat beständig ausgebaut. Allerdings wird inzwischen darüber spekuliert, ob die erst vor wenigen Tagen neu bestimmte Führung im Ein-Parteien-Staat Laos sich stärker nach Hanoi wenden könnte als die abgelösten Top-Funktionäre. Traditionell ringen sowohl Vietnam als auch China um Einfluss in Laos, wo die Politik als extrem intransparent gilt.

Im Herbst will Obama das Land mit seinen sechs Millionen Bewohnern besuchen. Es wäre das erste Mal, dass ein amtierender US-Präsident in Vientiane zum Staatsbesuch aussteigt. Auch Kerry ist erst der dritte US-Außenminister in Laos seit 1955.

Was die Amerikaner künftig tun wollen, um das Entschärfen der Bomben zu beschleunigen, ist noch nicht im Einzelnen bekannt. Wie die Washington Post berichtete, hat Kerry während der Reise die künftige Hilfe bisher nicht genauer beziffert. Aber es seien Diskussionen im Gange, sie zu erhöhen, hieß es. Es wird damit gerechnet, dass erst Obama im Herbst ein konkretes Paket ankündigen wird, wenn er in Laos auch an einem Treffen der Asean-Länder teilnimmt.

Washington hat erst vor einigen Jahren damit begonnen, beim Räumen der Sprengsätze zu helfen. Es wird geschätzt, dass jede dritte abgeworfene Bombe gar nicht detonierte. Zunächst zahlten die Amerikaner für das Räumen fünf Millionen Dollar im Jahr, inzwischen ist die Hilfe auf 19,5 Millionen Dollar angestiegen. Laut Kerry hat dies dazu geführt, dass die Zahl der Getöteten und Verletzten zurück gegangen sei. Ursprünglich waren es etwa 300 Opfer pro Jahr, nun sind es nach US-Angaben noch etwa 50.

© SZ vom 26.01.2016

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