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Landwirtschaft:Milchbauernrechnung

Im Streit um die Milchpreise geht es um Grundsätzliches: Für welchen Markt soll ein Bauer produzieren?

Man kennt das aus Brüssel: drinnen Funktionäre, die um Lösungen ringen, draußen brüllende Demonstranten vor hupenden Traktoren. In Wahrheit standen sich am Montag aber nicht nur die Milchbauern und die europäischen Politiker gegenüber, sondern zwei grundverschiedene landwirtschaftliche Philosophien - ein Zwist, der auch die Bauernschaft spaltet.

Die EU-Kommission, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und der Deutsche Bauernverband hoffen nach dem Ende der Quote auf die Kraft des freien Marktes. Sie sind sicher, dass der Preisverfall bei der Milch nicht von Dauer ist und ermutigen die Bauern, ins Ausland zu liefern und sich mit großen, leistungsstarken Betrieben für den Weltmarkt zu rüsten.

Viele Milchbauern freilich haben keine Lust, mit den Kollegen in Kanada in Konkurrenz zu treten. Sie sagen: Wie soll das mit dem Export funktionieren, wenn uns das Ausland die Milch nicht einmal zu Bettelpreisen abnehmen möchte? Sie wollen ihren kleinen Hof weiterführen und fordern einen Mechanismus, der zwar stark an die Quote erinnert, am Ende aber ohne staatliches Geld auskäme: Wer in der Krise mehr produziert, muss zahlen, wer reduziert, erhält Hilfe. Welche Philosophie ist die bessere? Darüber entscheiden auch die Verbraucher. Etwa wenn sie bereit wären, mehr Geld für lokal produzierte Produkte auszugeben.

© SZ vom 08.09.2015

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