Die Getreideernte in Deutschland wird in diesem Jahr wohl besonders mager ausfallen. In seiner vorläufigen Erntebilanz rechnet der Deutsche Bauernverband mit einem bundesweiten Ertrag von 41,9 Millionen Tonnen Getreide, das seien sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Der Ertrag pro Hektar sank mit knapp 6,9 Tonnen um neun Prozent zum Vorjahr.
Dieser Abfall von jeweils sieben und neun Prozent spiegelt sich genau beim Winterweizen, der mit 20,9 Millionen Tonnen knapp die Hälfte der gesamten Erntemenge ausmachte. Am schwersten hat es demnach aber den Winterraps getroffen, bei dem der Ertrag pro Hektar um 20 Prozent auf 2,9 Tonnen zurückging. Auch bei Kartoffeln und Zuckerrüben zeichne sich bereits ein unterdurchschnittliches Ergebnis ab.
Grund für die Ernteausfälle sind nach Angaben des Verbandes die Wetterextreme in diesem Jahr. „Ein zu trockenes Frühjahr und dann Hitze und anhaltende Trockenheit haben viele Bestände erheblich geschädigt“, erklärte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Dabei gebe es starke regionale Unterschiede. „Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt.“
Bundeslandwirtschaftsminister Rainer sichert Hilfe zu
Gleichzeitig stünden die Landwirtinnen und Landwirte unter großem finanziellen Druck, warnte Rukwied. Sinkende Erträge und Erzeugerpreise stünden steigenden Kosten für Betriebsmittel wie Diesel und Düngemittel gegenüber. Tierhaltende Betriebe müssten aufgrund der Trockenheit, durch die die Weiden verdorrt sind, bereits auf Winterfutter zurückgreifen und könnten gleichzeitig keine neuen Vorräte anlegen. Es sei zu erwarten, dass dies regional zu einem Abbau von Tierbeständen führen wird.
„Unsere Betriebe brauchen aktuell Saatgut und Diesel, später Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Ohne die notwendige Liquidität sind sie nicht in der Lage die nächste Ernte zu finanzieren“, betonte der Bauernpräsident. Von der Bundesregierung forderte er ein Sofortpaket zur Unterstützung der Landwirtschaft. Darin müsse unter anderem das EU-Düngemittelhilfspaket, in dem bislang 60 Millionen Euro für Deutschland vorgesehen sind, mit nationalen Mitteln auf 180 Millionen Euro aufgestockt werden. Zudem müsse die Steuer auf Dieselkraftstoff sofort gesenkt werden.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) hat den Bauern Hilfe zugesichert. Er sei ihm wichtig, „dass die landwirtschaftlichen Betriebe wissen, sie bleiben nicht alleine. Wir haben die Folgen der Dürre genau im Auge und werden, so gut es geht und so schnell es auch geht, passgenaue Hilfen anbieten“. Über die Landwirtschaftliche Rentenbank sei ein 200-Millionen-Euro-Sofortprogramm aufgelegt worden, das allerdings nicht ausreichend sei. Rainer kündigte an, das Thema bei der Kabinettsklausur in der kommenden Woche anzusprechen.
Auf die Frage, ob Brot und Fleisch wegen der unterdurchschnittlichen Ernte nun teurer würden, sagte Rainer: „Ich gehe nicht davon aus, dass es sofort teurer wird, weil die Lebensmittelpreise hängen auch noch von vielen anderen Faktoren ab, von der Lieferkette, von Transport, von der Erzeugung.“

