Landtagswahlen Landtagswahlen: Kandidat hui, Partei pfui

Alles auf Kretschmann: Die Grünen profitieren von ihrem straken Spitzenkandidaten.

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Die Spitzenkandidaten bekommen überragende Bedeutung und die Bindung der Wähler an die Parteien löst sich auf. Die politische Landschaft ist im Umbruch.

Von Heribert Prantl

Eine Woche vor den Landtagswahlen in den drei Bindestrichländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt ist die politische Nervosität in Deutschland so groß wie selten. Mit Sorge betrachten die derzeit in den Parlamenten vertretenen Parteien den Aufstieg der AfD - ihr werden Ergebnisse vorhergesagt, wie sie einst die Westerwelle-FDP in ihren allerbesten Zeiten hatte. Und mit Staunen schauen die politischen Beobachter nach Baden-Württemberg, wo es den Grünen, geführt von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, nach neuesten Zahlen gelingen könnte, die CDU als stärkste Partei abzulösen. Aus einem schwarzen wird womöglich ein grünes Bundesland: Die Grünen liegen klar vor der CDU.

Bisher unumstößliche Gewissheiten gelten offenbar nicht mehr. Bei allen Unwägbarkeiten des politischen Betriebs, bei allen Veränderungen in der Parteienlandschaft und den Schwierigkeiten der Koalitionsbildung, wie sie die Parlamentarisierung der Grünen und der Linken mit sich brachte, galt bisher eines als unumstößlich: Eine große Koalition, also ein Bündnis von Union und SPD, geht immer.

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Aber dieses Sichere ist nicht mehr sicher: In Baden-Württemberg stehen sowohl CDU als auch SPD vor einem Absturz, der so groß ist, dass ein Bündnis dieser Parteien im Land keine Mehrheit mehr hätte. Dieser Absturz beider Parteien, die im Bund als große Koalition regieren, gilt als Menetekel für die Bundespolitik.

Jahrzehntelang war die Südwest-CDU ein Kraftreservoir der Union. Sie büßt nach jüngsten Umfragen im Vergleich zur letzten Landtagswahl von 2011 etwa zehn Prozentpunkte ein. Damals war sie zwar noch stärkste Partei geblieben, hatte die Macht im Land aber an Grüne und SPD verloren. Die Sozialdemokraten, 2011 mit gut 23 Prozent bedacht und als Koalitionspartner der Grünen in Stuttgart noch fast gleichauf mit diesen, stehen im Ländle vor einem Absturz auf 13 Prozent. Elf Prozent werden dort der AfD prognostiziert.