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Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen:Kraft kann keine Diskussionen gebrauchen

Hannelore Kraft

Hannelore Kraft, 55, seit sechs Jahren SPD-Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen.

(Foto: dpa)

Kanzlerkandidatur, Rot-Rot-Grün, Bundespräsidentenwahl. Hannelore Kraft kommen sämtliche Themen ungelegen. Sie muss in NRW Ministerpräsidentin bleiben - oder ihre Partei kann die Bundestagswahl vergessen.

Vor ziemlich genau drei Jahren hatte Hannelore Kraft die Schnauze voll davon, ständig als Kanzlerkandidatin der SPD ins Spiel gebracht zu werden. "Nie, nie", werde sie nach Berlin gehen, sagte sie in einer Sitzung der SPD-Landtagsfraktion und sorgte auch dafür, dass dieses Zitat schnell die Runde machte. Wenig später, so erzählt man sich in der nordrhein-westfälischen SPD, habe sich Parteichef Sigmar Gabriel per SMS gemeldet und sein Bedauern über das Doppel-Nie ausgedrückt. Letztlich dürfte sich seine Betroffenheit über die Entscheidung Krafts in Grenzen gehalten haben. Seitdem ist der Weg für seine Kandidatur frei. Oder besser: wäre. Wenn er denn will.

Mit Hannelore Kraft und Sigmar Gabriel war es lange Zeit nicht so einfach. Kraft war häufig genervt von den Kurswechseln und Eingebungen des Parteichefs, der wiederum Kraft als Gegenspielerin fürchten musste. Schon vom Typ her könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Gabriel ist gern in der Tagesschau, Kraft lieber auf Besuch in einem Kindergarten in Lünen. Den Berliner Politikbetrieb, das hat sie oft erzählt, verachte sie. Gabriel ist Teil dieses Betriebs. Der Parteichef tauscht sich gern mit dem einstigen Kanzleramtschef Bodo Hombach aus. Kraft und Hombach können sich nicht ausstehen.

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Das alles hat Kraft und Gabriel nicht zu engen Freunden gemacht. Seit Kraft sich aus dem Rennen genommen hat, soll das Verhältnis aber besser geworden sein. Ihre innerparteiliche Machtposition hat Kraft mit ihrer Erklärung geschwächt - und dominiert trotzdem ein knappes Jahr vor der Bundestagswahl entscheidende Prozesse in der SPD.