Landtagswahl in Hessen:Zweifel an Bouffiers Imagewandel

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Für den soften Kurs entschied Hessens CDU sich zu Jahresbeginn, als Schwarz-Gelb in Umfragen weit zurücklag. Bouffier sah seine Chance in Berlin, in doppelter Hinsicht: Die Bundeskanzlerin sollte Vorbild sein und eine Art Zugmaschine. Sie erreicht große Popularität, indem sie Zuspitzungen vermeidet und sich auf die gute wirtschaftliche Lage verlässt. Auch Hessen geht es wirtschaftlich gut. Darauf setzt Bouffier, und auf den Huckepackeffekt: Der Landtag wird gleichzeitig mit dem Bundestag gewählt - wer im Bund CDU ankreuzt, soll das, so die Hoffnung, auch im Land tun.

Es erscheint aber fraglich, ob Bouffier mit seinem Imagewandel seinen Teil zu einem Wahlsieg beizutragen vermag. Selbst im eigenen Lager zweifeln manche, dass dem einstigen Hardliner die liebliche Tour geglaubt wird. Sie argwöhnen, dass ihr Boss auf einen Amtsbonus setzt, den er in Wahrheit gar nicht hat. Er ist laut Umfragen weniger beliebt als der smarte Grüne Tarek Al-Wazir. Und auch sein Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel, 43, hat Bouffier fast eingeholt, wenn es um die Frage geht, wen die Bürger als Ministerpräsidenten wollen.

Vor vier Jahren verlor Schäfer-Gümbel die Wahl, damals war er eine Art Zählkandidat für die SPD, die zerstritten am Boden lag. Andrea Ypsilanti war zuvor mit dem Versuch gescheitert, ein rot-rot-grünes Bündnis zu bilden. Es hieß, die SPD werde sich davon sehr lange nicht erholen. Doch der neue Chef hat sie mit einem klaren und zugleich weniger konfrontativen Führungsstil viel früher so weit gebracht, dass sie jetzt auf einen Regierungswechsel hoffen kann. In den Umfragen führt mal das eine, mal das andere Lager. Schäfer-Gümbel setzt auf klassisch sozialdemokratische Themen und verspricht mehr soziale Gerechtigkeit: Die Herkunft dürfe nicht über die Chancen eines Kindes entscheiden, mahnt der Sohn eines Lkw-Fahrers und einer Putzfrau. Auch er kleidet seinen Kampfeswillen in gemäßigte Worte.

Gallige Töne liefern demgegenüber die beiden Juniorpartner, wann immer sie aufeinandertreffen. Hessens FDP-Chef und Justizminister Jörg-Uwe Hahn sowie der Grüne Al-Wazir zelebrieren ihre Verachtung intensiv. Die Grünen empört vor allem, dass sie von Liberalen aus Hessen als "Ökofaschisten" tituliert wurden - und Hahn sich davon nur halbherzig distanzierte: Dies sei nicht seine Wortwahl.

Seit Kurzem wächst jedoch in beiden Lagern die Sorge, dass am Ende keines der beiden Lager gewinnt, wegen der Linken. SPD-Chef Schäfer-Gümbel verkündet fortwährend, dass die Partei bei der Landtagswahl scheitern und ihre Westerweiterung damit vorbei sein werde. Aber die von der eloquenten Janine Wissler geführte Fraktion hat Spuren hinterlassen und sich manchmal geschickt mit Protesten außerhalb des Parlaments verbunden, etwa den Initiativen gegen den Lärm am Frankfurter Flughafen. Und auch sie hofft auf einen Huckepackeffekt: Wenn die Partei bundesweit in Umfragen anziehe, soll es auch in Hessen reichen. Im Landtag wird längst spekuliert, was die weitere Entwicklung in Syrien für Wiesbaden bedeuten kann.

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