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Landtagswahl im Saarland:Schulz-Effekt zu klein - CDU feiert überraschend deutlichen Sieg an der Saar

Annegret Kramp-Karrenbauer lässt sich zu ihrem Sieg gratulieren.

(Foto: AP)

War es die Angst vor Rot-Rot, die der CDU von Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer im Saarland den unerwartet hohen Sieg bescherte?

Blitzanalyse von Barbara Galaktionow

In den vergangenen Wochen schien die Schulz-Euphorie groß. Tausende Menschen traten nach der Ausrufung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten in die SPD ein. Auf dem Parteitag kürten die Delegierten den früheren EU-Parlamentspräsidenten mit einem utopisch anmutenden Ergebnis von 100 Prozent der Stimmen zum neuen SPD-Chef. In Wahlumfragen machten die Sozialdemokraten einen deutlichen Sprung nach oben.

Auch im Saarland rückte die SPD den Befragungen zufolge plötzlich nah an die CDU heran. In der Union wurde das mit Argwohn betrachtet - nicht nur in Saarbrücken, sondern auch in Berlin. Den Genossen gab die Entwicklung hingegen Anlass zu schönsten Hoffnungen - einer Rückeroberung des Ministerpräsidentenpostens nach fast zwei Jahrzehnten. Zudem erwarteten sich die Sozialdemokraten ein klares Signal fürs Superwahljahr 2017 mit seinen drei Landtagswahlen im Frühjahr und der Bundestagswahl im September.

Doch daraus wird nun nichts. Die Saar-CDU fährt ersten Hochrechnungen zufolge ein gigantisch gutes Ergebnis ein. Sie hat deutlich zugelegt und liegt etwa zehn Prozentpunkte vor der SPD.

CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer geht als strahlende Siegerin aus der Wahl hervor. Sie ist ihrem Bundesland bei Anhängern aller Parteien sehr beliebt und wird nun wohl auch weiterhin an der Spitze einer großen Koalition stehen. Das ist im Übrigen auch die Regierungskonstellation, die sich in Vorwahlumfragen ein Großteil der Saarländer gewünscht hatte. Denn die schwarz-rote Regierung hatte das Land unaufgeregt und in vielen Belangen auch erfolgreich geführt.

Ein Bündnis mit der AfD, die erstmals in den Landtag einzieht, kommt für die anderen Parteien nicht infrage. Andere Optionen sind schon rein rechnerisch nicht möglich. Das gilt für Rot-Rot ebenso wie für Rot-Rot-Grün. Die Linken mussten Stimmenverluste hinnehmen, die Grünen scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.

In den letzten Tagen vor der Wahl war vor allem Rot-Rot im Gespräch. Linken-Spitzenkandidat Oskar Lafontaine gab sich schon überzeugt, als Juniorpartner mit in die künftige Regierung ziehen zu können. Es wäre die erste Koalition von SPD und Linken in einem westdeutschen Flächenland gewesen. Umfragen vor der Wahl ließen das möglich erscheinen.

Mobilisierung der Nichtwähler

SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger ließ die Koalitionsfrage offen. Womöglich hat ihr das geschadet. Die SPD gewann zwar im Vergleich zu Umfragen vor der Schulz-Inthronisierung, bleibt aber sogar leicht unter dem Ergebnis von 2012.

Mag sein, dass die Vorbehalte gegen eine Regierungsbeteiligung der Linken beim Wähler West doch größer waren, als manche Beobachter annahmen. Potenzielle SPD-Wähler machten vielleicht deshalb ihr Kreuzchen lieber bei der CDU. Andere ließen sich womöglich dadurch mobilisieren. Der ARD zufolge hängt der große Erfolg der CDU jedenfalls damit zusammen, dass viele bisherige Nichtwähler der Partei ihre Stimme gaben.

Die vielbeschworene Schulz-Euphorie könnte durch das Ergebnis von der Saar jedenfalls einen Dämpfer erhalten. Erleichterung dürfte es hingegen bei der Union im Bund erzeugen. Vor allem Kanzlerin Angela Merkel kann sich über das gute Abschneiden ihrer Parteifreundin Kramp-Karrenbauer freuen. Und darüber, dass ihr Kontrahent Schulz zwar vielbejubelt sein mag, sich das in konkreten Zahlen aber offenbar nicht niederschlagen muss.

© SZ.de/segi
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