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Landtagswahl im Saarland:Seehofer: "Es ist die richtige Strategie, sich zur Kanzlerin zu bekennen"

Plenarsitzung im Landtag

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer.

(Foto: dpa)

Der CSU-Chef zieht seine eigenen kuriosen Schlüsse aus dem Wahlergebnis im Saarland. Linke und FDP geben Martin Schulz die Schuld - und die SPD blickt nach vorn. Die Reaktionen.

Die saarländische Ministerpräsidentin und Wahlsiegerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich über die Höhe des Wahlergebnisses für ihre Partei überrascht gezeigt. "Dass es so deutlich ausfällt, das habe ich mir in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können", sagte sie am Abend.

Im ZDF-Interview zeigte sie sich fast ein wenig atemlos. Als einen Grund für ihr gutes Abschneiden - und das schlechtere der SPD - nannte sie auch die Diskussion um ein mögliches Bündnis von SPD und Linken im Vorfeld der Wahl: "Flirtereien mit Rot-Rot, das kommt in diesem Land nicht gut an."

CSU-Chef Horst Seehofer sieht den Abwärtstrend der Union beendet. "Der Rutschbahneffekt nach unten ist gestoppt", sagte der bayerische Ministerpräsident. Die positive Wirkung des Kanzlerkandidaten der Konkurrenz hält er für geringer als oft angenommen: "Die SPD ist überzeichnet worden, Schulz ist überzeichnet worden". Seehofer, der über Monate hinweg Angela Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik attackiert hatte, zog aus dem Ergebnis auch einen ganz eigenen Schluss: "Der Wahlausgang zeigt auch, dass es die richtige Strategie ist, sich klar zur Kanzlerin zu bekennen."

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz räumte als einer der Ersten die Niederlage seiner Partei im Saarland ein. "Wir haben das Ziel für diesen Abend nicht erreicht", sagte er. "Annegret Kramp-Karrenbauer hat als amtierende Ministerpräsidentin sichtlich die Potenziale der Union nicht nur ausgenutzt, sondern in umfangreicher Weise mobilisiert. Da gibt es nichts zu beschönigen." Das Ziel, einen Machtwechsel auf Bundesebene zu erreichen, bestehe jedoch weiter. "Das ist ein Langstreckenlauf, kein Sprint."

SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger zeigte sich enttäuscht. Das Ergebnis "kann uns nicht zufrieden stellen", sagte sie in Saarbrücken. Die SPD habe zwar eine "Aufholjagd hingelegt", Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer habe "auf der Schlussstrecke" aber von ihrem Amtsbonus profitiert.

Aus Sicht der Linken, der drittstärksten Partei im saarländischen Parlament, ist Martin Schulz verantwortlich für das Verfehlen einer rot-roten Mehrheit. "Es hat sich eben gezeigt, dass der Hype um Schulz sich nicht in Wählerstimmen im Saarland umsetzen ließ", sagte Parteichef Bernd Riexinger. Spitzenkandidat Oskar Lafontaine will die Fraktion auch im neuen Landtag anführen. "Ich werde Fraktionschef bleiben, wenn mich die Mitglieder erneut wählen", sagte er.

Der saarländische AfD-Spitzenkandidat Rolf Müller freute sich über den Einzug seiner Partei in den Landtag: "Es kommt darauf an, dass es eine Stimme gibt, die zum Ausdruck bringt, was die Bürger hören wollen." Seine Parteichefin Frauke Petry gestand aber ein: "Man muss konzertieren, dass offenbar eine Mehrheit der Saarländer die große Koalition gewählt hat, die unserer Ansicht nach nur Stillstand verspricht."

FDP-Chef Christian Lindner, dessen Partei den Wiedereinzug ins Parlament verpasst hat, erklärte: "Die CDU hat profitiert von der Angst vor einer rot-roten Koalition. Wie ein Staubsauger haben die auch potenzielle Wähler der FDP angezogen. In Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und bei der Bundestagswahl wird sich das so nicht wiederholen."

Die aus dem Parlament geflogenen Grünen gestanden ihre Niederlage schnell ein: "Wir haben das Wahlziel nicht erreicht", sagt Parteichefin Simone Peter. Das Saarland sei für die Grünen seit jeher strukturell schwierig. Ihre Partei habe versucht, Umweltprobleme im Land anzusprechen. Wenn sich die Menschen aber um ihre Arbeitsplätze sorgten, gebe es eher einen Trend hin zu einer großen Koalition."

© SZ.de/dpa/fued/ewid

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