bedeckt München 23°
vgwortpixel

Landtagswahl:"Bayern den Bayern"

Eine Parallele dazu weist das zweite historische Beispiel auf, für das man allerdings ungleich weiter zurückblicken muss: Die wertkonservative Bayernpartei erhielt bei den Landtagswahlen im Freistaat 1950 aus dem Stand 17,9 Prozent. Bei den Bundestagswahlen ein Jahr zuvor war sie in Bayern sogar auf 20,9 Prozent gekommen. Was die Partei vor allem stark machte, war die Forderung nach der Unabhängigkeit des Freistaats.

Sie arbeitete mit kurzen, scharfen Slogans, etwa "Bayern den Bayern". Die Debatte um eine größtmögliche Eigenständigkeit war zu dieser Zeit auf ihrem Höhepunkt. Nachdem Bayern 1949 aber der Bundesrepublik beigetreten war, verlor das Thema nach und nach an Wichtigkeit - und so auch die Partei. Zwar gibt es sie bis heute - doch ihre Wahlergebnisse bewegen sich seit vier Jahrzehnten zwischen 0,4 und 2,1 Prozent.

Prantls Politik Ein Kurswechsel Merkels wäre ein Unding Video
Video
Nach Landtagswahlen

Ein Kurswechsel Merkels wäre ein Unding

Dass die AfD die Gewinnerin der Landtagswahlen ist, heißt nicht, dass ihre Flüchtlingspolitik richtig ist.

Auch der Bund der Heimatvertriebenen verschwand in der Bedeutungslosigkeit

Auch bei der dritten und letzten Partei, die ähnliche Ergebnisse aus dem Stand erzielen konnte wie heute die AfD, handelt es sich um eine Single-Issue-Partei. Der in der Mitte des politischen Spektrums zu verortende "Gesamtdeutsche Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten" (GB/BHE) erzielte Anfang der 1950er Jahre starke Ergebnisse. Am besten schnitt er 1950 in Schleswig-Holstein ab: 23,4 Prozent der Wahlberechtigten gaben dem GB/BHE ihre Stimme.

Der Block setzte sich für die Belange der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat Vertriebenen ein. Nach internen Streitigkeiten traten einige führende Mitglieder der CDU bei, was den Untergang des Blocks einläutete. 1961 fusionierte der GB/BHE mit der "Deutschen Partei" zur "Gesamtdeutschen Partei" - die wiederum in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Das lag auch daran, dass sich die Vertriebenen immer stärker integrierten - und keine eigene Partei mehr für ihre Interessenvertretung wählten.

Im Kern ist auch die AfD bis heute eine Single-Issue-Partei, deren großer Erfolg ohne das Thema Flüchtlinge nicht denkbar wäre. Das muss nicht heißen, dass sie in Zukunft in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Sie hat nicht in nur einem Bundesland einen Erfolg eingefahren, sondern sitzt bereits in acht Parlamenten. Außerdem: Andere Parteien haben sich vom Fokus auf eines oder zumindest wenige Themen zu etablierten Parteien gewandelt - siehe die Grünen.

Und dennoch: Das Ergebnis von 24,2 Prozent in Sachsen-Anhalt stellt nicht automatisch einen "politischen Erdrutsch" dar.

CDU CDU kämpft um die Deutungshoheit Video

Landtagswahlen

CDU kämpft um die Deutungshoheit

Die Parteispitze bemüht sich, die Wahlergebnisse nicht wie ein Votum gegen Merkel aussehen zu lassen.   Von Robert Roßmann