Landtagswahl 2013:Der harte Kampf ist gut

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Das hat mit der Ausgangslage zu tun. In Hessen geht es immer knapp zu. Vor dieser Wahl lagen SPD und Grüne in den Umfragen zwar lange sehr klar vor dem schwarz-gelben Regierungslager. Nach dem Fiasko mit dem rot-rot-grünen Versuchsballon von Andrea Ypsilanti ist es SPD-Chef Schäfer-Gümbel gelungen, seine Partei neu aufzubauen. Er hat den Ruf des geborenen Verlierers abgeschüttelt, der ihm von den Medien gnadenlos schnell angehängt wurde.

Bouffiers CDU hat den Ruf eines reaktionären Männerbundes, in dem sogar die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder als allzu modern am Rand steht. Aber seine Regierung kann vorweisen, dass es dem Land wirtschaftlich gut geht. Er hat unauffällig, ohne größere Skandale regiert - und er hat den für die CDU günstigen Bundestrend auf seiner Seite. Zuletzt schrumpfte der rot-grüne Vorsprung auf einen Abstand von zwei Prozent. Es ist ein offenes Rennen.

Krude Parole: Die oder wir

Manchmal kursieren Gerüchte über ein Lieblingsgeschöpf vieler Journalisten: eine schwarz-grüne Verbindung. Arbeiten nicht beide Parteien in der Metropole Frankfurt gut zusammen? Unüberwindbar groß wirken die konkreten Differenzen in der Politik nicht. Doch zwischen dem Lebensgefühl von Schwarz und Grün liegen Welten - bei den Mandatsträgern im Landtag, aber auch bei ihren Anhängern jenseits der Metropolen.

Das ist auch eine Folge der bitteren Konfrontation. Wer über Jahre intensiv leugnet, überhaupt etwas gemeinsam zu haben, wird keine Basis finden. So bleibt nur die krude Parole: Die oder wir.

Dass hart gekämpft werden soll, ist gut. So werden dem Wähler deutliche Alternativen geboten statt süßlicher Anbiederung, wie zuletzt in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein. Es ist verständlich, wenn Bouffier nicht wie David McAllister als Dauerlächler quasi kampflos sein Amt verlieren will. Schlimm aber wäre es, wenn wieder grobe Härte nach hessischer Art gesucht wird; wenn Kampagnen und Polemik abstoßend und widerlich werden. Zu viele hessische Politiker bewegen sich zu oft zu nahe an dieser Grenze. Die zu meiden, wird ihre eigentliche Bewährungsprobe.

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