Landtag - Wiesbaden:"Demo ohne Menschen" begleitet Pflege-Debatte im Landtag

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Landtag - Wiesbaden: In Wiesbaden ist mit einer stillen Demonstration auf die Nöte pflegender Menschen hingewiesen worden. Foto: Jana Glose/dpa
In Wiesbaden ist mit einer stillen Demonstration auf die Nöte pflegender Menschen hingewiesen worden. Foto: Jana Glose/dpa (Foto: dpa)

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Wiesbaden (dpa/lhe) - Hessen will die Ausbildung von Krankenpflegehelfern als eigenständiges Berufsprofil für die häusliche und stationäre Krankenpflege erhalten. Mit dem Gesetzentwurf der Landesregierung sei der nächste Schritt zu einer generalistisch ausgerichteten Krankenpflegehilfeausbildung vorgesehen, sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch im hessischen Landtag in Wiesbaden. Das sei im Gleichklang mit der Altenpflegehilfe-Ausbildung in enger Abstimmung mit den Ausbildungsakteuren vorgesehen.

Während der Debatte im Parlament machte der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen in der Nähe des hessischen Landtags mit einer stillen Demonstration auf die Nöte pflegender Angehöriger aufmerksam. Bei der "Demo ohne Menschen" zeigten 70 Schilder Zitate mit Problemen, Forderungen und Wünschen Betroffener aus Hessen.

"Wer pflegt, hat keine Zeit, um auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren", sagte der VdK-Landesvorsitzende Paul Weimann. Mit der Aktion wolle man den Pflegenden eine Stimme gegeben, denn Unterstützung für sie gebe es viel zu wenig. "Der größte Pflegedienst in Deutschland findet zu Hause statt. Und hier braucht es dringend Entlastungen", sagte Weimann.

Von den rund 320 000 pflegebedürftigen Menschen in Hessen werden laut VdK mehr als 80 Prozent zu Hause versorgt. Für die pflegenden Angehörigen fordert der Sozialverband einen Ausbau von Beratungsangeboten und die Einführung einer Pflegezeit von bis zu drei Jahren. In dieser Zeit sollen Pflegende, analog zu den Regelungen für Elternzeit und Elterngeld, auch finanziell abgesichert sein. Außerdem sollen Pflegezeiten bei der Rente stärker berücksichtigt werden.

Der Sozialminister betonte in seiner Rede zu dem Gesetzentwurf der schwarz-grünen Landesregierung, dass durchlässige Bildungswege und gute Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten wichtig seien, um die Attraktivität von Pflegeberufen zu steigern. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gelte es aber, ein differenziertes Angebot der Versorgung sicherzustellen.

Dazu sei ein ausgewogener Qualifikationsmix nötig, erklärte der Grünen-Politiker. Dieser fange bei Betreuungs- und Hilfskräften an, gehe über qualifizierte examinierte Pflegehilfskräfte und Pflegefachpersonen bis hin zu hochschulisch qualifizierten oder weitergebildeten Pflegefachpersonal.

Die Zahl der Pflegebedürftigen steige und die Pflege werde immer komplexer, betonte die Gesundheitsexpertin der SPD-Fraktion, Daniela Sommer. Es müsse generell mehr Beschäftigte in der Branche und eine qualitätsorientierte Pflege mit multiprofessionellen Teams aus einem Mix aus Fach- und Assistenzkräften geben, damit mehr Zeit für die Patienten bleibe. Die Gesundheitsberufe müssten attraktiver werden. Schwarz-Grün sollte mehr Engagement zeigen, um die Attraktivität der Gesundheitsberufe zu erhöhen. Es sei erforderlich, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen und Personalmindeststandards zu etablieren.

Auch Hilfskräfte seien in der Pflege unverzichtbar und übernähmen wichtige Aufgaben in einem komplexen Umfeld, mahnte die Gesundheitsexpertin der Linksfraktion, Christiane Böhm. Deshalb sollte eine zweijährige Ausbildung zum Standard werden, um eine gute Vorbereitung für den beruflichen Alltag zu leisten. Leider halte die schwarz-grüne Koalition in Hessen am einjährigen Modell fest. Die "Demo ohne Menschen" sei ein Sinnbild für den Alltag in der Pflege, weil Pflegende keine Zeit hätten, sich auf die Straße zu stellen.

Pflegepersonal werde händeringend gesucht, sagte der FDP-Abgeordnete Yanki Pürsün. Es gebe wenig sicherere Berufe. Aufstiegsmöglichkeiten seien ebenfalls zahlreich vorhanden. Krankenpflegehilfen seien aus dem Gesundheitssystem nicht mehr wegzudenken. Die Attraktivität dieses Ausbildungsberufs sollte daher gesteigert werden.

© dpa-infocom, dpa:220921-99-846001/4

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