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Landtag - Erfurt:Mehr Geld für Lehrer und freie Schulen

Bildung
Zahlreiche Euro-Banknoten liegen auf einem Haufen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Erfurt (dpa/th) - Im Kampf gegen Lehrermangel und Unterrichtsausfall nimmt Thüringen Geld in die Hand und will Lehrer mit Zulagen und höheren Gehältern locken. Dazu beschloss der Landtag am Freitag in Erfurt mehrere Gesetzesänderungen. Erstmals wird damit ein Zulagensystem in Thüringen eingeführt, das beispielsweise angehenden Lehrern hohe monatliche Zuschläge sichert, wenn sie sich verpflichten, nach dem Ende ihrer Ausbildung fünf Jahre lang etwa in einer Region zu unterrichten, wo der Lehrermangel besonders schlimm ist.

Seit mehreren Jahren fehlen im Freistaat Lehrer - besonders an Grund- und Regelschulen und in bestimmten Fächern wie Mathematik, Chemie oder auch Musik und Kunst. Ebenso beschloss das Parlament eine Gesetzesänderung zur Lehrerausbildung. Nachfolgend die wichtigsten Neuerungen:

HÖHERES GEHALT

Thüringer Grundschullehrer können sich ab August 2021 über ein höheres Gehalt freuen: Dann sollen sie in die Besoldungsstufe A13 eingruppiert werden und damit genauso viel bekommen wie Lehrer an Gymnasien und Regelschulen. Je nach Altersstufe beträgt die Besoldung in der Gruppe A13 zwischen rund 4300 und 5500 Euro brutto monatlich. Die AfD-Fraktion stimmte dagegen. Mit der Gehaltserhöhung soll der Beruf attraktiver werden. Manche Bildungspolitiker hoffen auch darauf, dass mit den besseren finanziellen Aussichten mehr Grundschullehrer aus anderen Bundesländern nach Thüringen kommen.

ZULAGEN

Der Landtag beschloss am Freitag auch ein neues Zulagensystem. Danach können angehende Lehrer im Vorbereitungsdienst bis zu 1000 Euro monatlich mehr bekommen, wenn sie sich verpflichten, nach ihrer Ausbildung mindestens fünf Jahre lang in einer Region zu unterrichten, wo der Bedarf besonders hoch ist. Aber auch andere Lehrer können einen Zuschlag bekommen, wenn sie in sogenannten Bedarfsregionen unterrichten - bis zu zehn Prozent des Grundgehalts zusätzlich in der Anfangsstufe der Besoldungsgruppe A13 sind drin.

Auch wenn Pädagogen besondere Aufgaben an ihrer Schule übernehmen oder Fachberater sind, sollen die Zulagen bekommen. "Aktuell gibt es keine attraktiven Anreize für Lehrerinnen und Lehrer, zusätzliche Aufgaben im Thüringer Schulalltag zu übernehmen", sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner, in der Landtagsdebatte. Das nun beschlossene Zulagensystem bezeichnete er als "solides Fundament", auf das man in der Zukunft noch aufbauen könne.

LEHRAMTSSTUDIUM

Der Landtag stellte am Freitag die Weichen, damit die Universität Erfurt das Lehramtsstudium für Grundschullehrer umstellen kann. Unter anderem soll das Schulfach Schulgarten bei der Ausbildung in Thüringen künftig mit dem Fach Heimat- und Sachkunde zusammengelegt werden. Dafür wurde das Lehrerbildungsgesetz geändert. Mit der veränderten Lehramtsausbildung will die Universität Erfurt auch eine Vorgabe der Kultusministerkonferenz umsetzen. Abgeschafft wird das Schulfach Schulgarten allerdings nicht - die Änderung bezieht sich nur auf die Ausbildung.

Die bildungspolitische Sprecherin der oppositionellen FDP-Fraktion, Franziska Baum, forderte, auch die Ausbildung von Lehrern anderer Schularten zu überprüfen - vor allem mit Blick auf Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung. "Wir wollen, dass Lehrerbildung nicht nur zeitgemäß, sondern ruhig der Zeit ein bisschen voraus ist", sagte Baum.

FREIE SCHULEN

Nach langem Ringen um einen geeigneten Betrag können die freien Schulen nun mit rund 217 Millionen Euro im nächsten Jahr rechnen, die vom Land kommen. Damit erhalten sie deutlich mehr Geld als bisher. Ein Regierungsentwurf für den Haushalt 2021 sah zunächst vor, dass die Freien Schulen nächstes Jahr nur 183 Millionen Euro bekommen sollten - und damit etwa zehn Millionen Euro weniger als im Etat 2020.

Mit dem nun beschlossenen Gesetz wird die Finanzierung der Freien Schulen auch entfristet. Außerdem gibt es jährliche Steigerungsraten und die Finanzierung ist künftig an die Lohn- und Preisentwicklung gekoppelt. Künftig können Freie Schulen auch vom Schulbudget profitieren; es beträgt 30 Euro pro Schüler und kann für außerschulische Angebote oder für die Unterstützung des Unterrichts ausgegeben werden.

Schließlich sollen Lehrer künftig staatliche Weiterbildungsmaßnahmen wahrnehmen können. Auch Seiteneinsteiger an Freien Schulen sollen eine staatliche Nachqualifizierung machen können.

© dpa-infocom, dpa:210216-99-458195/2

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