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Landtag - Erfurt:Linke sieht Wechselmodell für Trennungskinder kritisch

Erfurt (dpa/th) - Die Linke-Fraktion im Thüringer Landtag hat davor gewarnt, die Betreuung von Trennungskindern zu gleichen Teilen durch beide Elternteile zum Regelfall zu machen. "Wir sagen sehr deutlich: Es muss Ausschlussgründe für das Wechselmodell geben", sagte die Familienpolitikerin der Linke-Fraktion, Margit Jung, am Dienstag in Erfurt.

Beim sogenannten Wechselmodell kümmern sich nach einer Trennung oder Scheidung die leiblichen Eltern abwechselnd um ihr Kind. Dem gegenüber steht das Residenzmodell, bei dem das Kind seinen Lebensmittelpunkt bei einem Elternteil hat, während der andere Elternteil Unterhalt zahlt.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte im Frühjahr eine Reform des Unterhalts- und Umgangsrechts angeregt. Die FDP im Bund hatte vorgeschlagen, bei Gerichtsentscheidungen das Wechselmodell zum Regelfall zu machen. Der Generalsekretär der Thüringer FDP, Robert-Martin Montag, sagte, die bisherigen Regelungen seien für einen Elternteil diskriminierend. Er betonte aber, dass Gerichte auch nach dem FDP-Vorschlag in begründeten Einzelfällen vom Wechselmodell abweichen können sollen. Giffey sprach sich dagegen aus, das Wechselmodell zum Regelfall zu machen. Auch die Thüringer Linke-Fraktion lehnt den FDP-Vorschlag ab.

Jung sieht das Wechselmodell, bei dem ein Kind zum Beispiel abwechselnd zwei Wochen bei der Mutter und zwei beim Vater lebt, vor allem für kleinere Kinder unter sechs Jahren kritisch. Es könne bei ihnen "starke Verlusterscheinungen hervorrufen" - etwa weil sich der Lebensmittelpunkt des Kindes ständig verschiebe.

Einigen sich Eltern nicht einvernehmlich, wie sie die Erziehung und Betreuung ihres Kindes gestalten, müssen Gerichte darüber entscheiden. Jung stellte heraus, Familienrichter seien "nicht selten überlastet" und besäßen "oft keine Qualifizierungen in Bereichen der Kindesentwicklung und Psychologie". Auch Gutachter müssten ihrer Meinung nach besser qualifiziert werden, forderte sie.

Familienministerin Giffey sprach im Frühjahr auch davon, Väter, die viel Zeit mit ihren Kindern verbringen, beim Unterhalt stärker zu entlasten. Ihrer Meinung nach sollte rechtlich mehr Flexibilität für die verschiedenen Betreuungsmodelle geschaffen werden.

Jung erteilte Giffeys Vorstoß keine generelle Absage. "Ich würde dem Vorschlag durchaus folgen können. Aber das wird auch nur funktionieren, wenn sich die Eltern vertragen."

Nach Angaben des Thüringer Landesamtes für Statistik gab es in Thüringen im vergangenen Jahr 2701 Kinder unter 18 Jahren aus geschiedenen Ehen. Ende der 1990er-Jahre lag diese Zahl noch bei rund 4500. Die Statistiker registrierten im Freistaat im vergangenen Jahr 3535 geschiedene Ehen.