Lafontaine: Erste Rede nach Krebs-OP:"Niemand ist unersetzlich"

Beim ersten politischen Auftritt nach seiner Operation versucht Oskar Lafontaine, der Linken die Personaldebatte auszureden - und gibt den Medien die Schuld an der Diskussion.

Marc Widmann, Saarbrücken

War das die Andeutung, auf die alle gewartet haben? Gegen Ende seiner 50-minütigen Rede, als unter den 500 Zuhörern schon eine Stimmung wie in einem bayerischen Bierzelt herrschte, sagte Oskar Lafontaine noch einen Satz zum Personalstreit in seiner Partei. "Auch für die Linke gilt: Niemand ist unersetzlich."

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(Foto: Foto: dpa)

In diesen allgemeinen Worten aber eine Tendenz erkennen zu wollen, dass der kürzlich operierte Parteichef aufhören will, wäre wohl übertrieben. Viele der Linken, die Lafontaine am Dienstagabend in Saarbrücken erlebt haben, waren hinterher voll Hoffnung. "Oskar, Oskar", riefen sie. Und dieser Oskar sah aus wie immer: Die rechte Hand in der Hosentasche erklärte er die Welt. Man konnte ihm seine Krebserkrankung nicht ansehen, die zwei Stufen zur Bühne sprang er hoch.

Bei seinem ersten politischen Auftritt seit dem Herbst hielt er eine kämpferische Rede, die wohl vor allem nach innen wirken sollte - in seine Partei, in der zuletzt ein offener Machtkampf ausgebrochen war.

Lafontaine erklärte den Zuhörern beim Neujahrsempfang der Landtagsfraktion, wer in Wirklichkeit schuld dran sei: die Medien. Sie würden pausenlos die sogenannten Reformer in der Partei preisen und gegen angebliche Chaoten und Spinner polemisieren. Die Linke müsse sich hüten, darauf hereinzufallen. Sonst ergehe es ihr wie der SPD, die schließlich die Hälfte ihrer Wähler verloren habe, weil der Reformerflügel die Überhand gewonnen habe. Das Publikum klatschte begeistert.

"Überflüssige Personalquerelen"

Zu seiner eigenen Zukunft schwieg Lafontaine. Er werde sich "zu gegebener Zeit" äußern, ob er auf dem Parteitag im Mai noch einmal als Parteichef antrete. In den vergangenen Tagen war es bei den Linken zu harten Auseinandersetzungen gekommen.

Am Ende verkündete der Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch - ein ostdeutscher Pragmatiker -, er werde im Mai nicht mehr antreten. Viele vermuten Lafontaine dahinter. Das Verhältnis zwischen den beiden gilt als zerrüttet. Manche spekulieren gar, dass Lafontaine den Abgang von Bartsch zur Bedingung für seine Rückkehr machte.

Nur ein paar allgemeine Sätze verlor Lafontaine zu den "überflüssigen Personalquerelen". Überall, wo Menschen zusammenarbeiteten, gebe es nun mal "Eitelkeiten, Rivalitäten und persönliche Befindlichkeiten", sagte er. "Da nicht alle Akteure einander in tiefer Sympathie und Zuneigung verbunden sind", müsse man sich an Regeln halten, die ein solidarisches Miteinander ermöglichen. Den Namen Bartsch sprach er nicht offen aus.

Ziemlich zufrieden mit dem selbstbewussten Auftreten gab sich Heinz Bierbaum, parlamentarischer Geschäftsführer der Saar-Linken. "Ich sehe die Tendenz, dass er weitermacht", sagte er. "Er ist eigentlich wieder ganz kämpferisch."

© SZ vom 20.01.2010/jab
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