Labour Party Corbyn bleibt Labour-Chef - und die Partei ist weiter gespalten

Jeremy Corbyn nach seiner Wiederwahl in Liverpool.

(Foto: Getty Images)

Nach seinem Sieg bietet der Parteilinke Jeremy Corbyn den Gemäßigten die Zusammenarbeit an - doch die Vorbehalte gegen ihn bleiben. Der Parteitag in Liverpool könnte entscheidend werden.

Von Christian Zaschke, London

Jeremy Corbyn versuchte, nicht allzu viel Genugtuung zu verbreiten. Er wollte, das war deutlich zu sehen, mit Würde auf seinen großen Sieg reagieren. Corbyn stand auf der Bühne des Konferenzzentrums zu Liverpool und war soeben als Chef der britischen Labour-Partei bestätigt worden. Der Abstimmung war ein harter Wahlkampf vorangegangen, der gezeigt hatte, wie tief die Zerwürfnisse in der Partei sind. Sogar von einer möglichen Spaltung war die Rede gewesen. Nun rief Corbyn: "Wir haben viel mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen!" Er bot an, die Streitigkeiten der Vergangenheit zu vergessen und wieder bei Null zu beginnen.

Ob er seine Gegner damit erreicht, ist zweifelhaft. Zu bitter war die Auseinandersetzung, auf deren Höhepunkt im Sommer 172 von 230 Abgeordneten dem Chef das Misstrauen ausgesprochen hatten. Die überwiegend zentristischen Abgeordneten haben keinen Zweifel daran gelassen, dass sie von den Führungsqualitäten Corbyns, der zum sehr linken Flügel der Partei zählt, wenig bis nichts halten. Die Parteibasis hingegen steht überwiegend hinter dem alten und neuen Vorsitzenden. 61,8 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen auf Corbyn, was bedeutet, dass sich mehr als 300 000 Wahlberechtigte für ihn ausgesprochen haben.

Labour Party Ein Altlinker kämpft um den Vorsitz
Labour Party

Ein Altlinker kämpft um den Vorsitz

Bei Labour vergeht kein Tag ohne Machtkämpfe: Die Basis hält am Parteichef Jeremy Corbyn fest. Die Fraktion will ihn unbedingt loswerden. Ein Gegner wirft ihm gar Trotzkismus vor.   Von Christian Zaschke

Corbyn war vor einem Jahr überraschend an die Labour-Spitze gewählt worden. Die Neuwahl war nötig geworden, da der vormalige Chef Ed Miliband nach der verlorenen Parlamentswahl zurückgetreten war. Corbyn galt als chancenloser Außenseiter, weil er zwar seit mehr als 30 Jahren im Parlament saß, dort jedoch zu einer kleinen Gruppe des linken Flügels gehörte, die immer wieder beharrlich gegen die Parteilinie stimmte. Da die Labour-Vorsitzenden jedoch in einer Urwahl bestimmt werden, spielte es keine Rolle, dass er in der Fraktion weitgehend isoliert war. Unter den Mitgliedern entwickelte sich eine Corbyn-Begeisterung, vor allem unter jenen, die ihre Partei nach den wirtschaftsfreundlichen Jahren unter den Vorsitzenden Tony Blair und Gordon Brown nicht wiedererkannten.

Nach einer Zeit des Abwartens rebellierten immer mehr Abgeordnete gegen Corbyn. Er verlor fast alle Mitglieder seines Schattenkabinetts. Abgeordnete baten ihn flehentlich, zurückzutreten, um die Einheit der Partei nicht zu gefährden. Corbyn verwies jedoch auf seine gewaltige Zustimmung bei der Basis. Das Misstrauensvotum der Fraktion machte den Weg frei für die neuerliche Abstimmung. Nachdem Corbyn nun auch diese gewonnen hat, sagte der Corbyn-kritische Abgeordnete Chuka Umunna: "Das Thema ist erledigt. Jeremy Corbyn ist unser Kandidat für das Amt des Premierministers."

Die Umfragewerte sind mies

Corbyn profitierte bei seinen Siegen auch von einer Regeländerung bei den Wahlen zum Parteivorsitz. Um die Abstimmung auf eine breitere Basis zu stellen, erlaubte Labour 2015 jedem die Teilnahme, der sich für eine Gebühr von drei Pfund registrierte. Die überwältigende Mehrheit dieser "registrierten Unterstützer" stimmte für Corbyn. Bei dieser Wahl wurde der Betrag auf 25 Pfund erhöht, und erneut stimmte die Mehrheit für Corbyn. Nebenbei nahm die Partei eine hübsche Summe Geld ein.

An diesem Sonntag beginnt der jährliche Parteitag von Labour. Vier Tage lang wird in Liverpool darüber diskutiert, was die Bestätigung Corbyns bedeutet. Werden die moderaten Abgeordneten das Angebot zur Zusammenarbeit annehmen? Werden manche ins Schattenkabinett zurückkehren? Viele fragen sich, warum sie sich die Mühe machen sollten, da es derzeit sehr unwahrscheinlich erscheint, dass Labour die nächste Wahl gewinnt. Die Werte in sämtlichen Umfragen sind mies. Corbyn mag zwar die Aktivisten begeistern, aber unter den gemäßigten Wählern erfährt er deutlich weniger Zustimmung.

Am kommenden Mittwoch wird Corbyn sich zum Abschluss des Parteitags in einer programmatischen Rede erklären. Es wird die vielleicht wichtigste Rede seiner politischen Laufbahn sein, nicht zuletzt, weil sie entscheidend sein kann für die Zukunft der 116 Jahre alten Labour-Partei.

Ukip Nach Farage kam der "Bürgerkrieg", jetzt kommt Diane James

Neue Ukip-Vorsitzende

Nach Farage kam der "Bürgerkrieg", jetzt kommt Diane James

Der plötzliche Rücktritt des Parteichefs brachte Chaos in die britische Ukip. Seine neugewählte Nachfolgerin muss die Frage beantworten: Was macht eine Anti-EU-Partei, wenn die Sache mit dem Brexit durch ist?   Von Julia Ley