bedeckt München 20°

Labour in der Krise:Brown-Rivale fordert radikale Reform

Der britische Außenminister Miliband will eine "neue Etappe" für die Labour-Partei - und positioniert sich damit selbst als Nachfolger Browns.

Der potenzielle Nachfolger des britischen Premierministers Gordon Brown, David Miliband, hat die Labour-Partei zu einer grundlegenden Reform aufgefordert. Wenn die Sozialdemokraten die nächste Wahl gewinnen wollten, müssten sie "radikal eine neue Etappe" einleiten und ihre traditionellen Ziele auf moderne Weise verfolgen, schrieb der 43-jährige Außenminister in der Tageszeitung Guardian.

Der britische Außenminister David Miliband fordert eine Reform der Labour-Partei.

(Foto: Foto: AP)

Der Beitrag gilt als Vorstoß für eine Herausforderung des glücklosen Brown an der Parteispitze. Miliband ist der schärfste innerparteiliche Rivale des erst vor einem Jahr aufgerückten Regierungschefs.

Miliband listete in seinem Artikel die Versäumnisse Labours während der vergangenen zehn Jahre an der Regierung auf und unterzog die Parteistrategie einer scharfen Kritik. "Rückblickend hätten wir die Reform des Gesundheitssystems schneller vorantreiben müssen. Wir hätten uns besser darauf vorbereiten müssen, wie im Irak der Frieden zu gewinnen ist und nicht nur der Krieg", schrieb er.

Browns Vorgänger Tony Blair war der engste Verbündete der USA im Irak-Krieg und hat damit bei den Briten viel Unterstützung verspielt. "Wenn wir die Menschen mit unserer Botschaft erreichen wollen, müssen wir demütiger mit unseren Schwächen umgehen und unsere Leistungen müssen überzeugender sein", forderte Miliband.

"New Labour hat drei Wahlen mit dem Versprechen eines echten Wandels gewonnen, eines Wandels nicht nur der Politik, sondern auch der Art, wie wir Politik machen. Das müssen wir fortsetzen."

Blair hatte die Partei Anfang der 90er Jahre unter dem Schlagwort "New Labour" modernisiert und damit die Sozialdemokraten in ganz Europa inspiriert. Auch der frühere SPD-Chef und ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder gehörte zu der Generation linker Politiker, die ihre Anhänger mit einer liberaleren Marktwirtschaft und Einschnitten in die Sozialsysteme zu versöhnen suchten.

Die Labour-Partei gilt als reif für einen Wechsel an der Spitze: Sie ist in den Umfragen zuletzt auf 25 Prozent gefallen und liegt damit rund 20 Prozentpunkte hinter den Konservativen. Die nächste Wahl steht spätestens im Mai 2010 an. Damit hätte ein neuer Chef genug Zeit, die Partei neu aufzustellen.