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KZ Dachau: 65 Jahre Befreiung:Gegen das Vergessen

Bundespräsident Horst Köhler hat in der KZ-Gedenkstätte Dachau vor dem Vergessen gewarnt. Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer sagte, Befreiung liege in der Erinnerung an die Gräueltaten.

Bundespräsident Horst Köhler hat zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau vor 65 Jahren ein Plädoyer wider das Vergessen gehalten. "Ich bin sehr froh darüber, dass es in unserem Land eine lebendige Kultur der Erinnerung gibt", sagte Köhler am Sonntag in Dachau.

Horst Köhler, Max Mannheimer, dpa

Bundespräsident Horst Köhler mit dem 90-jährigen Max Mannheimer, dem Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau.

(Foto: Foto: dpa)

"Wir begreifen unsere Geschichte als Mahnung und wir haben aus ihr gelernt", sagte Köhler, der als erster amtierender Bundespräsident die Gedenkstätte besuchte. "Wir sind heute hier, um uns zu erinnern, um der Opfer zu gedenken und um unseren Willen zu erneuern, solche Untaten für alle Zukunft zu verhindern."

Deutschland dürfe nie vergessen, wohin Diktatur, Rassismus und Überlegenheitswahn führten. Die Konzentrationslager seien für das Unrechtssystem der Nazis die wichtigsten Einrichtungen gewesen, um ihre Politik der Aussonderung, Ausbeutung und Vernichtung durchzusetzen. Viele ehemalige Konzentrationslager seien heute aber eindrückliche Gedenkstätten, die auch von den jungen Menschen besucht würden.

Köhler dankt Max Mannheimer

Ausdrücklich dankte der Bundespräsident dem Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau, Max Mannheimer sowie anderen Überlebenden für ihre Ausklärungsarbeit.

"Sie schenken mir und anderen Mut und Zuversicht, dass wir doch als Menschen in der Lage sind, uns zu versöhnen", sagte Köhler an die Adresse des 90-Jährigen, der bis heute in Vorträgen unter anderem in Schulen über die Nazi-Gräuel aus seiner eigenen Erfahrung berichtet.

"Sie haben in all den Jahren nie Rache und Vergeltung das Wort geredet, sondern immer Zeichen der Versöhnung gesetzt", sagte Köhler.

Mannheimer betonte in seiner Rede, das Vermächtnis der ehemaligen Häftlinge und die Hoffnung, dieses düstere Kapitel der zwölfjährigen Diktatur stets in Erinnerung zu behalten, könne eine Wiederholung der Diktatur in Deutschland verhindern. Das Unerklärbare jedoch bleibe unerklärlich, gerade deshalb seien auch die Überlebenden mitverantwortlich für eine versöhnende Aufarbeitung.

Nicht verdrängen, sondern erinnern

"Die Befreiung liegt für uns nicht im Verdrängen, sondern in der Erinnerung", sagte Mannheimer weiter. Diese Erinnerung sei zugleich eine "Mahnung zur Entschlossenheit", sich gegen menschenverachtendes Unrecht zur Wehr zu setzen. Dabei dürfe nicht übersehen werden, dass auch heute in anderen Teilen der Welt die Kriege und Menschenrechtsverletzungen weitergingen und viele Opfer forderten.

Dachau war das einzige Konzentrationslager, das während der gesamten zwölfjährigen Nazi-Gewaltherrschaft bestand. Es wurde bereits wenige Wochen nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler am 22. März 1933 errichtet und diente als Modell für spätere Konzentrationslager. Zu den mehr als 200.000 in Dachau inhaftierten Menschen zählten vor allem politische Gegner des Regimes, aber auch Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas sowie sogenannte Asoziale und Kriminelle.

Am 29. April 1945 befreiten US-Truppen das Lager mit mehr als 32.000 überlebenden Häftlingen. Über 43.000 Menschen wurden in Dachau ermordet. Seit 1965 befindet sich auf dem ehemaligen KZ-Gelände eine internationale Gedenkstätte, die jedes Jahr von etwa 700.000 Menschen besucht wird.

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