KZ Auschwitz: Zeitzeugin Miková Geruch von verbranntem Menschenfleisch

Ein Menschenleben spielte überhaupt keine Rolle. In der Nacht kamen manchmal SS-Leute in die Baracke, zogen Leute heraus und luden sie auf Autos.

Frauenappell in Auschwitz 1944

(Foto: Foto: AFP)

Man sah Leichen auf der Lagerstraße und Sterbende, ich sah eine Frau, die in jeder Hand einen Stein halten musste, bis sie umfiel - niemand durfte ihr helfen. Stundenlang mussten wir Appelle stehen, im Regen, in der Sonne.

Überall lag feiner Staub - Asche aus den Krematorien. Und in der Luft lag immer der Geruch von verbranntem Menschenfleisch - ich kann heute noch nicht an Würstchenbuden vorbeigehen, ohne daran zu denken.

Wir mussten in Auschwitz nicht arbeiten, man hatte etwas anderes mit uns vor.

Unser Plus war: Die Deutschen brauchten uns für die Rüstungsindustrie. Sie benötigten dringend Arbeitskräfte, schließlich war es schon Oktober 1944.

In Viehwaggons gepfercht

Darum haben sie uns nicht durch die komplette Mordmaschinerie von Auschwitz durchgeschleust. Mir wurde nicht einmal die Nummer tätowiert.

Nach drei Wochen kamen SS-Männer zu uns. Wir mussten uns nackt ausziehen und vor ihnen defilieren. Dann wurde uns von SS-Frauen Kleidung zugeworfen, die offenbar aus den Koffern anderer Deportierter stammte, und ich bekam ein elegantes Kleid. Ich trug es bis zum Kriegsende.

Wir wurden in Viehwaggons gepfercht und nach Sachsen gebracht. Ab und zu wurde die Tür geöffnet: 'Tote raus', wurde gerufen und wir mussten diejenigen, die die Torturen nicht überstanden hatten, hinauswerfen."

Lisa Miková wurde zur Zwangsarbeit in einen Rüstungsbetrieb nach Freiberg in Sachsen geschafft. Dort montierte sie Flugzeugteile.

In den chaotischen Wochen vor dem Kriegsende durchlebte sie eine wahre Odysee: Sie befand sich 14 Tage in verschiedenen Zügen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet, die Nazis wussten im Chaos der letzten Kriegstage nicht, wohin sie die KZ-Häftlinge schaffen sollten.

Schließlich, Anfang Mai 1945, wurden Frau Miková und ihre Leidensgenossinnen ins österreichische KZ Mauthausen gebracht. Dort kümmerten sich die SS-Schergen nicht mehr um die Frauen - sie waren am "packen". Kurze Zeit später wurde das Lager von den Amerikanern befreit.

Auch Ehemann František überlebte den Holocaust, viele Verwandte nicht. Nach ihrer Rückkehr nach Prag erfuhr Lisa Miková, dass ihre Eltern vergast worden waren - in Auschwitz.

Ergänzung 6. 11. 2018: Inzwischen ist Lisa Mikovás Biographie erschienen.

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