Kurt Beck und die Nürburgring-Affäre Tief verletzt

SPD und Grüne haben das Misstrauensvotum gegen Kurt Beck abgeschmettert. Doch der Streit über die Nürburgring-Affäre hat bei allen Beteiligten in Rheinland-Pfalz Wunden hinterlassen, die politische Konsequenzen haben dürften. Der Ministerpräsident tut gut daran, seine ersten Anflüge von Demut nicht allzu schnell zu vergessen.

Ein Kommentar von Marc Widmann

Der Misstrauensantrag ist überstanden, Kurt Beck ist seinen Abgeordneten dankbar, also alles wieder paletti in Rheinland-Pfalz? Ganz und gar nicht.

Das Misstrauensvotum hat er überstanden, doch Kurt Becks Mehrheit in Rheinland-Pfalz wird knapper und knapper.

(Foto: ddp)

Zum ersten haben sich die Landespolitiker in den vergangenen Wochen so tiefe Wunden geschlagen, dass sie kaum bis zur nächsten Wahl verheilen dürften. Wenn SPD-Chef Beck über CDU-Chefin Julia Klöckner spricht, ist nur noch tiefste Abneigung zu hören. Andersrum genauso. Das Verhältnis von Klöckner zur grünen Alphafrau Eveline Lemke ist selbst mit feindschaftlich noch herzlich umschrieben. Wie wollen diese Politiker jemals zusammenarbeiten zum Wohl ihres hochverschuldeten Landes?

Auch für die Regierung ist die Millionenpleite am Nürburgring keinesfalls ausgestanden. Bald wird es neue Hiobsbotschaften geben. In Koblenz wird ein großer Prozess gegen den früheren Finanzminister und weitere Herren haarsträubende Peinlichkeiten in Erinnerung rufen; vom Rechnungshof und der EU drohen weitere verheerende Zeugnisse. Da wird es nicht reichen, sich nur über den Stil der Opposition zu erregen.

Noch stehen die Rheinland-Pfälzer laut einer Umfrage mehrheitlich hinter Kurt Beck. Vermutlich auch, weil ihnen seine Herausforderin zu nassforsch erscheint. Doch es ist eine knappe Mehrheit, die immer knapper wird. Kurt Beck tut gut daran, seine ersten Anflüge von Demut nicht allzu schnell zu vergessen.