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Kuren:Hilfe für Familienhelfer

Eltern-Kind-Kliniken sind in ihrer Existenz bedroht.

Von Edeltraud Rattenhuber

Väter und Mütter sind in den vergangenen Monaten an ihre Grenzen gegangen. Manche mussten sie sogar überschreiten. Viele Studien belegen das. Hausaufgaben überwachen, Lernfortschritt sicherstellen, mittags ein gesundes Essen auf den Tisch, Kleinkinder bei Laune halten. Dazu Home-Office, Existenzsorgen, Druck im Beruf und soziale Isolation. Eine solche Mehrfachbelastung ist eine ziemlich ungesunde Mischung.

Medizinische Hilfe, eine Auszeit, gäbe es - bei einer Mutter-Vater-Kind-Kur. Doch wer eine solche bewilligt bekommt, muss sich erst einmal hinten anstellen. Im Lockdown waren die Kliniken geschlossen, nun sind sie wegen Abstands- und Hygieneregeln nur teilweise belegt. In manchen Kliniken wartet man daher mehr als ein Jahr auf einen Platz.

Ob es die Mutter-Vater-Kind-Klinik, die man anpeilt, allerdings noch geben wird, wenn man endlich dran ist, ist fraglich. Denn die Überbrückungshilfen, die sie wegen der Teilbelegung brauchen, sind, Stand 1. Oktober, beendet. Vor allem gemeinnützigen Häusern geht das an die Existenz. Deren Insolvenz in Kauf zu nehmen, wäre unsozial und kontraproduktiv. Die Kliniken sind systemrelevant, sie helfen Familien, ihr Gleichgewicht zu halten. In Corona-Zeiten ist das wichtiger als jemals zuvor. Denn es steht ein harter Winter bevor.

© SZ vom 01.10.2020
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