Kurden in der Türkei:Große Chance für einen historischen Schritt

A Turkish Kurdish woman with a child sits next to a PKK flag with a picture of the imprisoned Kurdish rebel leader Abdullah Ocalan during a women's day event in Silopi, Kurdish dominated southeastern Turkey

Abdullah Öcalan führt die Kurdenpartei PKK vom Gefängnis aus. Von dort aus forderte er seine Anhänger auf, den bewaffneten Kampf aufzugeben.

(Foto: Kadir Baris/Reuters)
  • Seit 2013 schweigen die Waffen zwischen den Kurden und der Türkei. Der Frieden ist brüchig.
  • Doch nun könnten die Friedensverhandlungen mit der islamisch-konservativen Regierung in Ankara zu einem guten Abschluss kommen.
  • Die Kurden profitieren dabei von ihrem Kampf gegen die IS-Milizen in Kobanê. Sie genießen ein besseres Image denn je.

Von Mike Szymanski, Istanbul

Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis die Kurden wieder ihre traditionellen Feuer entzünden, Anlauf nehmen und über die Flammen springen. Ihr Neujahrsfest steht kurz bevor, Newroz, am 21. März ist es soweit. Es beendet den Winter, der hart sein kann, besonders in den Bergen. Die Erwartungen an diesen Tag sind sowieso hoch. Aber in diesem Jahr sind sie das ganz besonders. Im Juni wird in der Türkei ein neues Parlament gewählt. Und jetzt ist Bewegung in die Debatte über die Lösung des Kurdenkonflikts gekommen.

Zwar schweigen die Waffen seit 2013. Aber dieser Frieden ist überaus brüchig. Geht es nach der islamisch-konservativen AKP-Regierung, dann soll das diesjährige Newroz-Fest die Schlussetappe der Friedensverhandlungen einleiten. Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu hat die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK jetzt aufgefordert, den bewaffneten Kampf mit dem Neujahrsfest endgültig aufzugeben. Wird aus dem Neujahrsfest in diesem Jahr ein Friedensfest?

Die Chancen auf Annäherung stehen so gut wie lange nicht mehr

Nach mehr als 30 Jahren des blutigen Kampfes mit etwa 40 000 Toten ist die Sehnsucht nach einem friedlichen Zusammenleben groß. Und vor ein paar Tagen wurde sie noch von einem bemerkenswerten Auftritt genährt. Im Istanbuler Dolmabahçe-Palast trat Sırrı Sureyya Önder, Abgeordneter der parlamentarischen Vertretung der Kurden, der HDP, gemeinsam mit Regierungsvize Yalçın Akdoğan vor die Presse. Das war schon eine Sensation.

Der HDP-Politiker verlas eine Erklärung des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan, in der er seine Gefolgsleute auffordert, die Entwaffnung einzuleiten. Zudem nannte er zehn Verhandlungspunkte als Grundlage für Gespräche, auf die sich Öcalan und die türkische Regierung verständigt hätten. Noch im Frühjahr solle ein entsprechender Beschluss gefasst werden.

"Die Zeit wird zeigen, ob dies ein historischer Schritt ist, aber er ist ein sehr wertvoller Schritt, ohne Zweifel", kommentierte Kolumnist Göksel Bozkurt im Oppositionsblatt Yurt. Seine Wortmeldung zeigte aber auch, dass der Glaube an eine wirklich schnelle Lösung des Konflikts nach so vielen Enttäuschungen gering geworden ist.

Trotzdem stehen die Chancen, dass sich dieses Mal wirklich etwas bewegt, so gut wie schon lange nicht mehr. Der gemeinsame Auftritt eines Regierungsvertreters mit einem HDP-Mann zeigte, dass im Hintergrund seit Längerem verhandelt wird. Tatsächlich haben die Kurden und die AKP unter Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan gemeinsame Interessen. Beide wollen die Verfassung ändern, das ist einer der zehn Punkte aus dem Verhandlungskatalog.

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