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Kundus-Affäre:Guttenberg rückt von Schneiderhan-Schelte ab

Der frühere Generalinspekteur hat ihm in der Kundus-Affäre Dokumente vorenthalten - so das Urteil des Verteidigungsministers bislang. Nun mildert Guttenberg seine Kritik ab.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist von dem Vorwurf abgerückt, der frühere Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan habe ihm in der Kundus-Affäre bewusst wichtige Dokumente vorenthalten.

"Ich hatte nie den Eindruck, dass seitens General Schneiderhan oder Dr. Wichert vorsätzlich oder böswillig gehandelt wurde", sagte Guttenberg in einem Reuters-Interview. "Richtig ist, dass mir anlässlich meiner ersten Bewertung des Vorfalls Meldungen, Berichte und Unterlagen nicht vorgelegt wurden." Dafür hätten beide schließlich professionell die Verantwortung übernommen.

Der Minister milderte damit seine Kritik an Schneiderhan und Ex-Staatssekretär Peter Wichert deutlich ab. Zugleich räumte er einen wichtigen Streitpunkt aus dem Weg, mit dem sich der Kundus-Untersuchungsausschuss befassen wollte und zu dem Guttenberg vor dem Ausschuss befragt werden dürfte.

Guttenberg hatte Schneiderhan und Wichert am 26. November entlassen und dies damit begründet, dass ihm wichtige Dokumente in der Kundus-Affäre nicht vorgelegt worden seien. In Interviews formulierte der Minister später jedoch härter und sprach davon, ihm seien Unterlagen vorenthalten worden. Gegen diesen Vorwurf setzte sich Schneiderhan seinerseits in einem Zeit-Interview vehement zur Wehr und bezichtigte Guttenberg der Lüge.

"Es gab keinen Vorsatz", betonte der General. Nachdem er dem Minister den umfassenden Nato-Bericht zu dem Luftangriff von Kundus vorgelegt habe, sei er schlicht nicht auf die Idee gekommen, ihm zusätzlich noch die einzelnen Ausgangsberichte zu präsentieren.

Die Aufklärung der Umstände der Entlassung Schneiderhans und Wicherts war einer der wichtigsten offenen Punkte des Untersuchungsausschusses zur Kundus-Affäre. Guttenberg hatte mit den nicht erhaltenen Dokumenten seine Kehrtwende in der Bewertung des Luftangriffs erklärt, den er daraufhin nicht mehr als angemessen beurteilte. Bei dem von der Bundeswehr angeordneten Bombardement Anfang September waren auch Zivilisten umgekommen.

Im Reuters-Interview würdigte Guttenberg noch einmal die Leistungen Schneiderhans und Wicherts. Zuletzt habe er mit ihnen im Rahmen des großen Zapfenstreichs gesprochen, "mit dem die beiden Herren für ihre unbestreitbar hohen Verdienste verabschiedet wurden", erklärte der Minister.

© sueddeutsche.de/Reuters/gba
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