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Coronavirus:Wie Theater und Stadien wieder öffnen könnten

Coronavirus - Kino

Noch geht gar nichts mit Publikum in Sport und Kultur: wegen der Pandemie geschlossenes Kino in Stuttgart.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Sport- und Kulturveranstalter wollen den Betrieb trotz der Pandemie endlich wieder aufnehmen - Inzidenzwerte sollen da nicht mehr ganz so wichtig sein.

Von Kia Vahland

Noch vor Kurzem sträubte sich Angela Merkel gegen Stufenpläne, mit denen die Corona-Schutzmaßnahmen Schritt für Schritt gelockert werden könnten. Die Befürchtung, die sie und andere hegten: Wer sich festlegt und Erwartungen schürt, muss diese enttäuschen, wenn die Dinge sich anders entwickeln. Am Montag aber äußerte die Kanzlerin Verständnis für den Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger nach Öffnungsplänen - und nannte nach Angaben von Teilnehmern in Beratungen des CDU-Präsidiums auch Sport und Kultur als Lebensbereiche, für die es nun Pläne brauche.

Das ist dringend nötig. Theater planen Aufführungen, ohne eine Vorstellung zu haben, ob diese live stattfinden können. Fußballer wissen nicht, wann es statt Geisterspielen wieder Begegnungen mit Fans geben kann. Konzertveranstalter und Kinobetreiber sind längst ins Straucheln geraten, von Clubs ganz zu schweigen. 13 Prozent Umsatzverluste, ein Minus von 22,4 Milliarden Euro, musste die Kreativwirtschaft einer Prognos-Studie zufolge im vergangenen Jahr hinnehmen; allein der Musikmarkt brach um 54 Prozent ein.

Nicht nur Veranstaltungs-, Kultur- und Sportunternehmen sind in ihrer Existenz bedroht, auch staatliche und kommunale Kultureinrichtungen sind gefährdet. Sie sind auf Ticketeinnahmen und Nebengeschäfte wie Museumsbuchläden angewiesen. Zudem verlieren Bibliotheken, Museen, Theater ihre Handlungsspielräume, wenn die kommunalen Haushalte mangels Steuereinnahmen schrumpfen.

Der Fußballbund und ein Opernhaus unterstützen die Studie

Noch gravierender als die ökonomischen Folgen der Schließungen dürften die emotionalen und intellektuellen Konsequenzen sein. Alles Gemeinschaftsstiftende jenseits der Digitalformate bleibt tabu, und das in einer für alle belastenden Zeit, die ganz besonders nach gemeinsamer Auseinandersetzung über die Geschehnisse verlangt.

Einen Ausweg schlägt nun eine Initiative aus Veranstaltern, Kulturverantwortlichen und Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen vor. Sie fordert, sich mit zunehmender Immunität nicht mehr strikt an den allgemeinen Inzidenzwerten zu orientieren, sondern die Auslastung der Krankenhäuser sowie lokale Gegebenheiten zum Maßstab zu nehmen. Unterstützt wird das Konzept von rund 40 Sport- und Kulturanbietern vom Deutschen Fußball-Bund bis zur Staatsoper Unter den Linden. Museen sind nicht vertreten; es geht um Säle und Stadien, in denen viele Menschen zur selben Zeit aufeinandertreffen.

Das Risiko vermehrter Ansteckungen soll demnach kompensiert werden durch einheitliche Hygienekonzepte. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen wie Masken und Abstand sollen durch digitale Buchungskonzepte, mehr Ordnungskräfte und angemessene Belüftung ergänzt werden, um bis zu 30 Prozent Auslastung, im Freiluftbereich sogar 40 Prozent zu ermöglichen.

Noch viel, viel mehr Tickets ließen sich verkaufen, wenn Veranstalter auf Antigentests setzten, so die Autoren des Papiers. Diese sollen an Ort und Stelle oder am selben Tag angeboten werden. Alternativ könnte ein Nachweis über eine Impfung oder über eine überstandene Infektion ausreichen, um Zugang zu bekommen. Zudem müsste das Belüftungskonzept der Einrichtungen nach medizinisch einheitlichen Standards bewertet werden.

Die Initiative geht weiter als bisherige Vorstöße, insbesondere, da sie die Inzidenzen nicht mehr zum wichtigsten Maßstab nehmen will. Auch Rechte nur für Geimpfte schlossen die Initiatoren in einer Pressekonferenz nicht aus, es sei aber zu früh, dies zu diskutieren. Stützen kann die Forderung nach baldigen Öffnungen sich auf eine Studie des Hermann-Rietschel-Instituts in Berlin. Demnach ist der Besuch eines Theaters mit 30 Prozent Auslastung nur halb so gefährlich wie der eines Supermarkts mit schlechterer Belüftung. Dreimal so riskant wie der Gang in die Oper wäre demzufolge eine Fahrt mit Fernbahn oder Fernbus.

Doch könnten Theater, Stadien und Konzertsäle bald öffnen, wenn sie dem Konzept folgen? Dies ist eine politische Entscheidung, die nicht einfach zu treffen ist. Denn jede Veranstaltung führt unweigerlich zu mehr Bewegung - und das in Zeiten um sich greifender Mutanten. Ein Datum nennt die Initiative jedenfalls nicht.

© SZ/rkl
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