Bericht:Griechische Küstenwache warf angeblich Migranten über Bord

Lesezeit: 1 min

Ein Schiff der griechischen Küstenwache (Foto: Anjo Kanx/IMAGO/Pond5 Images)

Die Küstenwache soll einem Bericht zufolge für mehrere Todesfälle verantwortlich gewesen sein. Die Behörde weist alle Vorwürfe entschieden zurück.

Die griechische Küstenwache ist einem Bericht der BBC zufolge angeblich für den Tod Dutzender Migranten im Mittelmeer verantwortlich. Der britische Sender berichtet unter Berufung auf Zeugen über mehrere Vorfälle aus den Jahren 2020 bis 2023. Mehr als 40 Menschen seien ums Leben gekommen, weil sie aus griechischen Hoheitsgewässern vertrieben oder zurück aufs Meer gebracht wurden, nachdem sie Inseln des Landes erreicht hätten. Neun von ihnen seien absichtlich ins Wasser geworfen worden. Die griechische Küstenwache hat der BBC zufolge alle Vorwürfe illegaler Aktivitäten entschieden zurückgewiesen.

Das gewaltsame Zurückdrängen in internationale Gewässer, sogenanntes Pushback, bedeutet zum einen, dass den Menschen, die oft in nicht seetauglichen Booten unterwegs sind, dringend benötige Hilfe verweigert wird. Zum anderen wird ihnen das Recht verweigert, einen Asylantrag in der Europäischen Union zu stellen.

Die BBC zitiert in ihrem Bericht einen Mann aus Kamerun, der nach eigenen Angaben 2021 auf der Insel Samos ankam, wo er einen Asylantrag habe stellen wollen. Dort sei er von maskierten Männern aufgegriffen und mit zwei anderen Migranten auf ein Boot der Küstenwache gebracht worden. Man habe ihn wie ein Tier geschlagen und sie alle drei seien ins Wasser geworfen worden, berichtete der Mann dem Sender. Er habe ans Ufer schwimmen können, aber die toten Körper der anderen beiden seien an der türkischen Küste gefunden worden.

Die Anwälte des Überlebenden fordern die griechischen Behörden nach Angaben der BBC auf, ein Verfahren wegen Doppelmordes einzuleiten.

Ein anderer Asylsuchender, ein Mann aus Somalia, berichtete der BBC, er sei 2021 auf der Insel Chios von der griechischen Armee aufgegriffen und an die Küstenwache übergeben worden. Diese hätte ihm die Hände hinter den Rücken gebunden, bevor sie ihn ins Wasser warf. Sie wollten, dass ich sterbe“, sagte der Mann. Er habe durch Rückenschwimmen überlebt, bevor sich eine Hand von der Abbindungsschnur gelöst habe. Er habe es an Land geschafft und sei von der türkischen Küstenwache gefunden worden. In der unruhigen See seien drei Menschen aus seiner Gruppe gestorben.

© SZ/saul - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusGriechenland
:"Ich will, dass das aufhört"

Etwa 750 Menschen waren an Bord, als vor einem Jahr der Fischkutter "Adriana" vor der Hafenstadt Pylos sank. Nur 104 überlebten. Einige leben heute in Deutschland, kämpfen mit ihrem Trauma - und verklagen die griechische Küstenwache.

Von Dunja Ramadan, Tobias Zick

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: