ParteitagUnerwartete Kampfabstimmung: Kubicki zum neuen FDP-Vorsitzenden gewählt

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Der neue FDP-Chef Wolfgang Kubicki erhielt auf dem Parteitag von den Delegierten 390 Stimmen, Marie-Agnes Strack-Zimmermann kam auf 259.
Der neue FDP-Chef Wolfgang Kubicki erhielt auf dem Parteitag von den Delegierten 390 Stimmen, Marie-Agnes Strack-Zimmermann kam auf 259. Friedrich Bungert/Friedrich Bungert

Die überraschend angetretene Strack-Zimmermann unterliegt bei der Abstimmung. Nach einer Serie von Wahlniederlagen vollzieht die FDP so den zweiten personellen Neuanfang in etwas mehr als einem Jahr.

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Wolfgang Kubicki ist neuer Bundesvorsitzender der FDP. Der 74-Jährige setzte sich beim Parteitag in Berlin in einer Kampfabstimmung gegen die Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch. Diese hatte überraschend gegen ihn kandidiert.

Kubicki erhielt von den Delegierten 390 Stimmen (59,27 Prozent), Strack-Zimmermann 259. Vier Delegierte enthielten sich, fünf stimmten für beide mit Nein.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann beim Bundesparteitag am Samstag: Die 68-Jährige ist im FDP-Präsidium und sitzt im EU-Parlament.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann beim Bundesparteitag am Samstag: Die 68-Jährige ist im FDP-Präsidium und sitzt im EU-Parlament. Annegret Hilse/Reuters

Kubicki war bislang stellvertretender Vorsitzender der Liberalen. Der 74-Jährige soll schaffen, was seinem Vorgänger Christian Dürr seit dessen Wahl vor einem Jahr nicht gelungen ist: die FDP aus der zunehmenden Bedeutungslosigkeit herauszuführen und wieder zu einem ernsthaften politischen Faktor zu machen.

Der frühere Fraktionschef Dürr war im Mai 2025 an die Spitze der Partei getreten, nachdem die FDP im Februar bei der Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und aus dem Parlament geflogen war. Dürr gelang es aber nicht, das Ruder herumzureißen. 2026 kassierte die FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bittere Niederlagen. Sie verpasste den Wiedereinzug in die Landtage, woraufhin Präsidium und Bundesvorstand zurücktraten.

War als FDP-Vorsitzender weitgehend erfolglos: Christian Dürr.
War als FDP-Vorsitzender weitgehend erfolglos: Christian Dürr. Bernd Weißbrod/dpa

Dürr, der massiv in der Kritik stand, wollte ursprünglich wieder für das Amt des Bundesvorsitzenden antreten. Er verzichtete aber darauf, als Kubicki seine Kandidatur ankündigte. Auch der nordrhein-westfälische FDP-Chef Henning Höne zog seine Bewerbung für den Vorsitzendenposten wieder zurück. Die Bewerbung der 68-jährigen Strack-Zimmermann kam am Samstag überraschend.

Kubicki gilt manchen als eine Art letzte Chance für die FDP. Er hält sich seine jahrzehntelange politische Erfahrung zugute. Als entscheidenden Vorteil sieht er auch seine große Bekanntheit an. Kubicki gefällt sich in der Rolle des Krawallmachers, wie er sich bisweilen selbst bezeichnet. Aufsehen erregt Kubicki auch mit seinen Positionen – etwa zur AfD: „Brandmauer? Kenne ich nicht. Steht nicht in der Verfassung. Gibt’s nicht“, sagte er zum Beispiel. Zwar schob er hinterher, dass es auch keine Tolerierung durch die AfD und keine Koalition mit ihr gebe. Doch Strack-Zimmermann warnte bereits davor, die FDP nach rechts zu verschieben.

Seine erste Bewährungsprobe hat Kubicki im September vor sich. Dann werden in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin neue Landesparlamente gewählt. Im April kommenden Jahres wird in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gewählt.

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Wolfgang Kubicki
:Von Brandmauern hat er noch nie was gehalten

Er ist 74, mag Altherrenwitze und soll jetzt die FDP retten. Aber wird Wolfgang Kubicki das gelingen, ohne sich der AfD gefährlich anzunähern? Eine Runde Golf mit einem Mann, der auch rhetorisch gerne zuschlägt.

SZ PlusVon Bastian Brinkmann (Text) und Friedrich Bungert (Fotos)

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