Kuba und die USA:Wo der Kalte Krieg erst jetzt begraben wird

Sieg der Revolution unter Castro, Kuba-Krise, Guantánamo: Mehr als 50 Jahre lang standen sich Kuba und die USA weitgehend unversöhnlich gegenüber. Nun gibt es eine Annäherung. Stationen einer Beziehung.

Von Barbara Galaktionow

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Kehrtwende in der Kuba-Politik

The Official Memorial Service For Nelson Mandela Is Held In Johannesburg

Quelle: Chip Somodevilla/Getty Images

Die Spannungen zwischen den USA und Kuba haben sogar den Kalten Krieg überdauert. Nun verkündet US-Präsident Obama eine Kehrtwende in der Kuba-Politik. Die beiden Staaten nehmen wieder diplomatische Beziehungen auf - nach mehr als 50 Jahren.

Im Foto: Obama (links) und Kubas Staatschef Raul Castro 2013 bei der Gedenkveranstaltung für Nelson Mandela in Südafrika

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Castro kämpft sich an die Macht

Fidel Castro 1959

Quelle: dpa

Schwierig sind die Beziehungen der beiden Länder auch schon vorher gewesen, doch mit seinem Sieg verschärfen sich die Spannungen deutlich: 1959 erobert Fidel Castro mit einer etwa 9000-Mann-starken Guerilla-Armee die Macht in Kuba. Das Land ist bereits 1902 formal in die Unabhängigkeit entlassen worden, doch die USA haben auch weiterhin massiven Einfluss auf das Geschehen genommen.

Damit macht Castro Schluss. Der junge Revolutionsführer sucht die Nähe der Sowjetunion und verstaatlicht alle US-amerikanischen Konzerne in dem zunehmend sozialistisch ausgerichteten Land. Washington reagiert mit einem Handelsembargo und einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

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Invasion in der Schweinebucht

File photo of Cuban President Castro talking to Cuban Armed Forces members during Bay of Pigs invasion

Quelle: REUTERS

Doch damit nicht genug: US-Präsident Dwight D. Eisenhower will Castro stürzen. Er plant eine Invasion, die dann unter seinem Nachfolger John F. Kennedy Gestalt annimmt: Am 17. April 1961 landet eine Söldnertruppe von 1400 Exilkubanern mit Unterstützung der USA in der Schweinebucht auf Kuba.

Doch das Vorhaben misslingt. Kuba reagiert überraschend schnell auf die Attacke. Und entgegen US-Annahmen bleiben die Soldaten gegenüber ihrem Staatschef loyal. Innerhalb von drei Tagen wehrt Castro den Angriff der Brigade 2506 mit seinen Truppen ab. Eine große Blamage für die US-Regierung, die im übrigen weiter an Plänen zum Sturz Castros oder sogar eines Attentats auf den kubanischen Revolutionsführer arbeiten wird.

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Auslöser der Kuba-Krise

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Quelle: AFP

Im Herbst 1962 lösen diese Aufnahmen eine Krise aus, die die Welt an den Rand eines Atomkriegs führt: Ein US-Aufklärer fotografiert am 14. Oktober 1962 sowjetische Raketenstellungen auf Kuba. Es wird klar, dass der Gegner im Kalten Krieg über Raketen verfügt, die innerhalb weniger Minuten amerikanische Großstädte erreichen könnte.

Die "Falken" in den USA drängen auf einen schnellen Angriff, doch US-Präsident Kennedy entschließt sich zu einer Seeblockade. Er fordert den Abzug der Raketen und droht im Falle eines Atomwaffen-Angriffs mit einem Vergeltungsschlag. Dass es dazu wenige Tage später nicht tatsächlich kommt, liegt auch an einem russischen Offiziers an Bord eines abgefangenen U-Boots (Näheres zum Verlauf der Kuba-Krise hier).

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Lösung der Kuba-Krise

Kubakrise 1962

Quelle: dpa

Doch auch die Zurückhaltung Kennedys (rechts) und des sowjetischen Regierungschefs Nikita Chruschtschow führt dazu, dass die akute Krise beigelegt werden kann. Verborgen vor der Öffentlichkeit und auch eigenen Regierungsmitgliedern tauschen die zwei Staatsmänner streng geheime Schreiben aus - und einigen sich auf einen Rückzug der sojwetischen Raketen. Kennedy sagt im Gegenzug zu, in der Türkei stationierte US-Raketen abzuziehen.

(Foto: Chruschtschow und Kennedy bei einem Treffen 1961 in Wien noch vor der Kuba-Krise)

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Zank um ein Flüchtlingskind

YEAREND PICTURES 2000

Quelle: REUTERS

Ein immer wieder akutes Thema sind die vielen Kubaner, die aus ihrem Land in die USA fliehen - und dort mit offenen Armen aufgenommen werden. Als sich 1994 mehr als 30 000 Kubaner per Floß in Richtung USA aufmachen, verständigen sich die beiden Staaten: 20 000 dürfen jedes Jahr legal ausreisen, dafür senden die USA im Meer aufgegriffene Bootsflüchtlinge nach Kuba zurück.

Zum Politikum wird in den Jahren 1999/2000 der Fall des Jungen Elián Gonzalez. Obwohl dessen Mutter bei der Flucht in die USA ums Leben kommt, sperren sich Angehörige in Miami und Exilkubaner-Organisationen dagegen, den Jungen wieder zu seinem Vater nach Kuba zu bringen. In einer dramatischen Aktion wird Elián im April 2000 seinen Verwandten entrissen: US-Marshals stürmen das Haus seines Großonkels und richten dabei auch ihre Waffe auf Elián, der sich in einem Schrank versteckt hat (Foto).

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Ex-US-Präsident Carter setzt ein Zeichen

FORMER PRESIDENT CARTER TALKS WITH CUBAN PRESIDENT CASTRO

Quelle: REUTERS

Im Jahr 2002 reist der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter (links) nach Kuba zu Gesprächen mit Fidel Castro - seit 1959 hat das kein amtierender oder ehemaliger Präsident mehr getan. Carter fordert demokratische Reformen in dem Land, plädiert aber auch für eine Normalisierung der Beziehungen.

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Guantánamo - ein Relikt bekommt neue Bedeutung

US-Verteidigungsministerium prüft Schließung von Guantanamo

Quelle: dpa

Unter George W. Bush geht es allerdings erst einmal wieder in die Gegenrichtung. Der republikanische Präsident verschärft Reisebeschränkungen für US-Bürger und schränkt Geldüberweisungen weiter ein.

Auch ein Relikt vom Beginn des 19. Jahrhunderts rückt erneut ins Blickfeld: die US-Marinebasis Guantánamo Bay auf Kuba. Die USA haben das Gebiet einem Vertrag von 1934 zufolge unbefristet gepachtet - von Kuba wird das allerdings nicht anerkannt. Im Jahr 2002 inhaftieren die USA hier erstmals in Afghanistan aufgegriffene, sogenannte "feindliche Kämpfer".

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Wandel unter neuen Präsidenten

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Quelle: AFP

2008 rückt Fidels Bruder Raul Castro ganz offiziell an die Spitze Kubas. 2009 wird Barack Obama US-Präsident. Obama hebt alle Reisebeschränkungen für Exilkubaner auf. Außerdem dürfen sie wieder Geld nach Kuba schicken. Bald darauf gibt es erneut Gespräche auf Regierungsebene.

Einen deutlichen Dämpfer erhält der Annäherungprozess allerdings, als US-Bürger Alan Gross in Kuba wegen Spionageverdachts inhaftiert wird. Nun haben die USA und Kuba nach mehr als 50 Jahren ein neues Kapitel innerhalb ihrer diplomatischen Beziehungen aufgeschlagen. Die USA wollen wieder eine US-Botschaft in Havanna eröffnen und zumindest einige Handelsbeschränkungen aufheben. Kurz bevor Obama das verkündete, entlässt Kuba Alan Gross.

© Süddeutsche.de/gal/hai
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