Süddeutsche Zeitung

Kuba:Raúl Castro tritt als Chef der Kommunistischen Partei zurück

Zum ersten Mal seit etwa sechs Jahrzehnten wird damit kein Castro mehr die Geschicke des Landes steuern. Der Schritt war erwartet worden.

Raúl Castro, Bruder von Revolutionsführer Fidel Castro und bis 2018 Präsident Kubas, hat seinen Rücktritt als Chef der Kommunistischen Partei angekündigt, die gerade ihren 8. Kongress abhält. Der Schritt war erwartet worden - und sorgt nun dafür, dass zum ersten Mal seit etwa sechs Jahrzehnten kein Castro mehr die Geschicke des Landes steuern wird.

Castro sagte, er überlasse die Leitung der Partei einer jüngeren Generation, die "voller Leidenschaft und eines anti-imperialistischen Geistes" sei.

Der Wechsel kommt in einem Moment, der kaum kritischer sein könnte: Kuba steckt in einer schweren Krise, die Corona-Pandemie hat auch die Insel schwer getroffen. Die Infektions- und Todeszahlen sind dabei noch vergleichsweise gering. Kuba hat ein gut ausgebautes Gesundheitssystem, und gleich zwei selbst entwickelte Impfstoffe stehen kurz vor der Zulassung.

Allerdings treffen die ökonomischen Folgen der Pandemie die Insel hart. Kubas Wirtschaft war schon vor Corona schwer angeschlagen, einerseits brach die Unterstützung von Bruderstaaten wie Venezuela weg, andererseits verhängten die USA immer neue Sanktionen. Mit der Pandemie brach nun auch noch der Tourismus ein, eine der wichtigsten Geldquellen des Landes. Hinzu kommen Sanktionen, die US-Präsident Donald Trump verhängt hatte. Die Regierung reagierte mit Wirtschaftsreformen. So wurde etwa im Februar die Liste der im Privatsektor erlaubten Berufe von 127 auf mehr als 2000 erweitert.

Selbst Grundnahrungsmittel sind heute knapp, es kommt zunehmend zu Protesten, befeuert durch das Internet, das mittlerweile auch auf dem 11 Millionen Einwohner umfassenden Kuba fast flächendeckend verbreitet ist.

Präsident ist Raúl Castro schon länger nicht mehr

Raúl Castro hatte diesen schon beim letzten Kongress 2016 angekündigt. Damals sagte er, dieser sei der letzte, der von der "historischen Generation" geführt werden würde, jenen Revolutionären also, die 1959 den damaligen kubanischen Diktator Fulgencio Batista stürzten, um einen sozialistischen Staat zu errichten.

Die beiden Brüder Castro lenkten dabei in den folgenden Jahrzehnten sowohl die Geschicke des Landes als auch die der später gegründeten Kommunistischen Partei entschieden mit. Mehr als 30 Jahre war Fidel Castro der Präsident Kubas. Als er krank wurde, übernahm 2006 Raúl Castro das Amt, erst provisorisch, 2008 dann offiziell vom Parlament ernannt. Der heute 89-Jährige Raúl Castro gab bereits vor drei Jahren das Amt als Präsident des Karibikstaats an Miguel Díaz-Canel weiter. Er könnte ihm als Parteichef folgen, sobald Castros Rückzug offiziell wird.

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