Süddeutsche Zeitung

Rechtsextremismus:Ku-Klux-Klan noch immer in Deutschland aktiv

In der Bundesrepublik gibt es vier Gruppierungen des Rassistenklubs, schätzt die Bundesregierung. Kreuze brennen, Straftaten werden mit dem Klan in Verbindung gebracht - Behörden sprechen von einer "abstrakten Gefährdung".

Von Frederik Obermaier

Der Ku-Klux-Klan ist offenbar weiterhin auch in Deutschland aktiv. Insgesamt gibt es nach Einschätzung der deutschen Sicherheitsbehörden vier verschiedene Klan-Gruppen, wie aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Martina Renner hervorgeht, die der Süddeutschen Zeitung vorab vorliegt. Wie viele Mitglieder die Gruppierungen haben, wissen die Behörden offenbar nicht genau - es sollen jedoch nicht allzu viele sein. Sie betrieben jedoch teils "eine offensive rassistische Agitation", es gebe "eine abstrakte Gefährdung" in der Bundesrepublik.

Der Ku-Klux-Klan wurde nach Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs 1865 in den Vereinigten Staaten gegründet und verbreitete mit brutalen Morden Angst und Schrecken. In Deutschland wurde nach dem Ersten Weltkrieg erstmals ein Ableger des Rassistenklubs gegründet. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist er fast durchgängig in Deutschland aktiv gewesen. Wie durch Ermittlungen zu den NSU-Morden bekannt wurde, waren zeitweise auch Polizisten Mitglied einer KKK-Gruppe in Deutschland. Die Rechtsterroristin Beate Zschäpe soll an mindestens zwei Klan-Zusammenkünften teilgenommen haben.

Auch in Deutschland werden Holzkreuze verbrannt

Immer wieder hat es in der Bundesrepublik auch Kreuzverbrennungen gegeben - ein traditionelles Ritual des Klans, bei dem Holzkreuze verbrannt werden. Nach Auffassung des Klans soll das brennende Kreuz das Licht Christi symbolisieren. In den USA wurde - und wird - das Ritual von der rassistischen Gruppierung verwendet, um Schwarzen eine letzte Warnung zu erteilen.

Das Gemeinsame Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum befasste sich seit 2018 vier Mal mit dem Ku-Klux-Klan. Im selben Zeitraum gab es nach Angaben der Bundesregierung bei mindestens 60 Straftaten etwaige Bezüge zum Ku-Klux-Klan - genau ließe sich dies nicht mitteilen, da derartige Taten nicht gesondert erfasst würden. "Nach wie vor scheint die Bundesregierung KKK-Aktivitäten nicht genügend auf dem Radar zu haben", kritisiert die Linken-Abgeordnete Renner.

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen mehrere mutmaßliche Mitglieder einer Klan-Gruppierung namens "National Socialist Knights of the Ku-Klux-Klan Deutschland". 2019 hatten Ermittler bei Wohnungsdurchsuchungen in Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen mehr als 100 Waffen sichergestellt. Die Ermittlungen dauern noch an, wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf SZ-Anfrage mitteilte.

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SZ/hum/cat
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