Kritik vom RegierungspartnerPD-Chef Epifani fordert Berlusconi zum Rückzug auf

"Richtig und üblich" - Guglielmo Epifani, Chef der italienischen Regierungspartei PD, spricht offen über einen möglichen Rücktritt des verurteilten Silvio Berlusconi. Dessen Partei PDL wirft dem Koalitionspartner vor, eine Regierungskrise auslösen zu wollen.

Der Chef der italienischen Regierungspartei PD (Partito Democratico), Guglielmo Epifani, hat Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi zum Rückzug aus der Politik aufgefordert. "Das wäre richtig und üblich", sagte Epifani der Zeitung Corriere della Sera: "Was würde in den USA geschehen? In demokratischen Staaten werden Sozial- und Steuervergehen sehr ernst genommen", sagte der Generalsekretär der Demokratischen Partei (PD), die mit Enrico Letta den Ministerpräsidenten in Italien stellt.

Letta hatte sich nach der Verurteilung Berlusconis zu einer vierjährigen Haftstrafe mit öffentlichen Äußerungen zurückgehalten. Seine Regierung wird getragen von der PD und Berlusconis Partei Volk der Freiheit (PDL). Berlusconi gehört der zweiten Parlamentskammer, dem Senat, an.

Epifani sagte, Berlusconi solle sich unabhängig von den politischen Folgen zurückziehen. Für den Fall halten Beobachter ein Auseinanderbrechen der Koalition für wahrscheinlich. "Das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit kommt in einer Demokratie vor jeden politischen Erwägungen", sagte Epifani der Zeitung. In der PDL stießen seine Äußerungen auf Kritik. "Epifani ist ein Provokateur, der eine Regierungskrise auslösen will, ohne dafür die Verantwortung zu übernehmen", sagte ein PDL-Sprecher.

Der Oberste Gerichtshof hatte vergangene Woche die Verurteilung Berlusconis zu vier Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung bestätigt. Der gleichzeitig gegen ihn verhängte fünfjährige Ausschluss von öffentlichen Ämtern soll noch einmal überprüft werden. Ins Gefängnis muss Berlusconi trotz des Urteils nicht. Zum einen wurde die Strafe per Amnestie auf ein Jahr herabgesetzt. Wegen seines fortgeschrittenen Alters kann er die verbleibenden zwölf Monate mit gemeinnütziger Arbeit ableisten oder sie im Hausarrest in einer seiner Villen verbringen.

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