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Kritik an deutsch-französischen Alleingängen:Warum der Aufstand des Ostens berechtigt ist

Merkel und Sarkozy müssen aufpassen: Vor dem Treffen der EU-Finanzminister in Polen begehren die Euro-Anwärter aus Osteuropa erstmals auf. Sie stören sich daran, dass Berlin und Paris nach Belieben die Europäische Union umbauen und über milliardenschwere Rettungsfonds entscheiden. Der Wunsch nach Mitsprache muss ernst genommen werden.

Cerstin Gammelin, Brüssel

Die Euro-Anwärter proben den Aufstand gegen den elitären Klub der 17 Euro-Länder. Zum ersten Mal wehren sich die Neulinge dagegen, dass die Euro-Länder ihre Gemeinschaft nach eigenem Gusto umbauen.

Sie wollen beteiligt werden, wenn es darum geht, einen Präsidenten für den Euro-Klub zu bestimmen, und sie wollen ein gewichtiges Wort mitreden, wenn der neue, milliardenschwere Euro-Rettungsfonds geschaffen wird.

Die Euro-Länder sollten das Begehren ernst nehmen. Es ist so logisch wie verständlich. Mit ihrem Beitritt zur Europäischen Union haben sich die Osteuropäer zugleich verpflichtet, die Gemeinschaftswährung einzuführen. Damals, 2004, konnte das den meisten Ländern gar nicht schnell genug gehen, der Euro galt als sicher, stabil und anerkannt. Mit der Dauer der Krise ist nun die Lust gesunken, die eigene Währung gegen den Euro zu tauschen. Man warte lieber, bis die Euro-Zone von der Intensivstation entlassen werde, war im Frühsommer in Polen zu hören.

Seit die Euro-Länder auf ihrem Sommersondergipfel im Juli beschlossen haben, enger zusammenzurücken und keinen Zweifel mehr daran lassen, dass sie es dieses Mal ernst meinen, scherzt keiner mehr.

Unter den Euro-Anwärtern reift vielmehr die Erkenntnis, dass der Wechsel zum Euro, egal, ob dieser nun früher oder später erfolgt, damit verbunden sein wird, sich selbst solidarisch zu zeigen. Das heißt, im Notfall auch mal für ein vermeintlich reiches Land einspringen zu müssen.

Genauso klar ist allerdings auch, dass es keinen Weg zurück gibt, ohne die Gemeinschaftswährung zu beschädigen. Euro-Länder und Euro-Anwärter sitzen im selben Boot, sie sollten es auch gemeinsam steuern.

© SZ vom 16.09.2011/liv/mati

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