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Kritik an Althaus:"Inakzeptable Inszenierung"

Ende der Schonfrist für Ministerpräsident Dieter Althaus: Sein Interview in der Bild-Zeitung hat scharfe Kritik bei der thüringischen Opposition ausgelöst - und auch innerhalb der CDU regt sich Unmut.

Mit dem ersten Zeitungsinterview nach seinem schweren Skiunfall hat Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) für Verärgerung gesorgt - auch in den eigenen Reihen: "Ich halte nichts davon", sagte CDU-Landesgeschäftsführer und Wahlkampfchef Andreas Minschke in Erfurt.

Dieter Althaus

In Bedrängnis: Dieter Althaus

(Foto: Foto: dpa/Archiv)

Er sieht Althaus vorerst nicht bei weiteren Medienauftritten, etwa in Talkshows. "Das kann er machen, wenn er fit und wiederhergestellt ist und die Amtsgeschäfte führt."

Zugleich verteidigte der Wahlkampfleiter die Entscheidung, bei der Delegiertenversammlung am vergangenen Samstag auf eine Videobotschaft von Althaus zu verzichten. "Althaus ist noch krank, da besteht nicht der Zwang zum Fotoshooting." Die CDU habe keine Inszenierung gewollt, die einer Heldenverehrung gleichkomme.

Opposition verärgert

Herausforderer Bodo Ramelow von den Linken befürchtet jetzt eine tägliche Seifenoper um die Gesundheit von Althaus, mit der die CDU von ihren politischen Problemen ablenken wolle. Ramelow kritisierte, Althaus lasse es an der nötigen Zurückhaltung fehlen. "Er erwartet vom politischen Gegner Fairness, lässt aber selbst jeden Genesungsfortschritt von seinen Hofberichterstattern wie einen Staatsakt feiern."

Mit seinem Interview in der Bild-Zeitung habe Althaus eine "inakzeptable Inszenierung" geliefert, sagte Ramelow der Thüringer Allgemeinen (Dienstagausgabe). Wenn der Regierungschef die Opposition auffordere, den Skiunfall und dessen Folgen aus dem Wahlkampf herauszuhalten, müsse er das "bitteschön auch selbst tun". Es beginne nun ganz offensichtlich eine Daily Soap, um mit einer "rührseligen Geschichte auf billige Weise Wählerstimmen zu ergattern". Thüringen sei damit "endgültig zu einem Operettenstaat der CDU verkommen", Althaus' Verhalten sei "der jetzigen Krisensituation keinesfalls angemessen".

"Nicht nachvollziehbar"

Thüringens SPD-Chef Christoph Matschie übte ebenfalls scharfe Kritik an Althaus. "Er kann nicht den Wahlkampf eröffnen und Interviews geben und auf der anderen Seite sagen, er sei noch bis zum Sommer krank", sagte er zur Nachrichtenagentur ddp. Für die Bürger sei das nicht nachvollziehbar.

"Dieter Althaus muss sich entscheiden: Entweder, er ist noch krank, dann muss er sich selber noch zurückhalten. Oder er ist nicht mehr krank, dann muss er die Regierungsgeschäfte wieder aufnehmen", betonte Matschie. Thüringen brauche "klare Entscheidungen und keine Selbstinszenierung". Mitten in einer Wirtschaftskrise drehe sich die CDU nur um Althaus, das dürfe nicht sein.

In dem Zeitungsgespräch hatte Althaus erzählt, dass er sich nicht mehr an den Zusammenprall mit der 41 Jahre alten Beata Christandl erinnern könne, die an ihren schweren Verletzungen starb. "Es war ein furchtbarer Schock. Es lässt mich auch jetzt noch nicht los, dass ein so schreckliches Unglück passieren konnte."

Durch sein Schädel-Hirn-Trauma sei er vor allem in seinem Sprachfluss stark beeinträchtigt gewesen, erzählt Althaus. Inzwischen müsse er nur noch wenige Medikamente nehmen und sei weitgehend wiederhergestellt. Sein Glaube habe ihm geholfen, den tragischen Unfall zu verarbeiten, sagte der bekennende Katholik weiter. Die Delegierten hatten Althaus zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl Ende August gewählt.

"Ich bin nachdenklicher geworden"

Unterdessen wies Althaus Kritik am Umgang der österreichischen Justiz mit seinem Fall zurück. "Die Kritik an dem Verfahren des Gerichts habe ich nicht verstanden", sagte der CDU-Politiker in einem neuen Interview mit Bild (Dienstagausgabe). Ihm sei wichtig gewesen, "dass ich so schnell wie möglich den Weg für eine Entschädigung der Familie frei mache". Deshalb habe er Anklage und Urteil ohne jeden Widerspruch akzeptiert.

Die Verurteilung zu 33.300 Euro Geldstrafe habe "keine juristischen Folgen" für seine politische Betätigung, erklärte Althaus. "Das Urteil wird nicht in mein polizeiliches Führungszeugnis übernommen. Das ist wichtig, auch für meine politischen Ämter."

Die Entscheidung zur Rückkehr in die Politik habe er sich "gut überlegt und mit meiner Familie, vielen Freunden und den Ärzten besprochen". Er wolle weiterhin Verantwortung für Thüringen tragen. Der Unfall werde ihn für den Rest seines Lebens prägen, erklärte Althaus. "Ich denke, ich bin nachdenklicher, aber auch ruhiger geworden." Doch an seiner Entscheidung, als Ministerpräsident und Spitzenkandidat zurückzukehren, ändere dies nichts. Er werde im Wahlkampf "mit dem Unfall offen umgehen und mich den Menschen gegenüber erklären, die danach fragen". Er setze darauf, dass die Opposition den Unfall nicht im Wahlkampf thematisieren werde.

Althaus hält sich noch in einer Rehabilitationsklinik am Bodensee auf. Für diese Woche wird seine Rückkehr in seinen Wohnort Heiligenstadt erwartet, wo eine ambulante Therapie folgen soll.

© dpa/AP/sueddeutsche.de/plin/vw
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