Krisen vor dem Ersten Weltkrieg Zweite Marokkokrise, 1911

Das deutsche Kanonenboot Panther im Jahre 1902.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Sechs Jahre nach der ersten Krise wurde das nordafrikanische Marokko erneut zum Schauplatz der europäischen Macht- und Kolonialpolitik: Nachdem das Deutsche Reich Frankreich schon auf der Algeciras-Konferenz 1906 nicht davon abhalten konnte, seinen politischen Einfluss in Nordafrika zu vergrößern, reagierte Berlin ausgesprochen gereizt auf die neue Nachricht, dass französische Truppen im Sommer 1911 die marokkanischen Städte Fès und Rabat besetzt hatten.

Wenn man Paris schon nicht von seinen kolonialen Ansprüchen abhalten kann, so lautete die Rechnung in Berlin, dann kann man vielleicht zumindest selbst Profit daraus schlagen: Es war der Plan von Kaiser Wilhelm II., die Vorherrschaft Frankreichs in Marokko zu akzeptieren, sofern Frankreich dafür mehrere Kolonialgebiete ans Deutsche Reich abtritt.

Sorge in London

Um seine Forderung zu verdeutlichen, sandte Berlin unverhohlene Drohungen aus und hielt Europa die Gefahr eines Krieges vor Augen. In vielen Städten demonstrierten die Menschen für Frieden. Wilhelm II. schickte im Juli 1911 das Kanonenboot Panther in die marokkanische Hafenstadt Agadir. Der sogenannte "Panthersprung" stieß in Großbritannien auf große Skepsis - in London befürchtete man abermals, Deutschland könne Agadir als Militärstützpunkt ausbauen und wichtige britische Seeverbindungen kontrollieren.

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Erst im November 1911 wurde die Zweite Marokkokrise beendet: Mit dem Marokko-Kongo-Vertrag erkannte das Deutsche Reich die Vorherrschaft Frankreichs in Marokko an, zugleich überließ Paris Berlin einen Teil ihrer Kolonie Französisch-Äquatorialguinea (Neukamerun). Im Ergebnis stand das Deutsche Reich allerdings abermals geschwächt dar - die Regierung in Berlin hatte sich weitaus mehr von dem Handel versprochen, als sie am Ende politisch durchsetzen konnte.

1914, als der Weltkrieg ausbrach, war Deutschland weitgehend isoliert und hatte sich an einen schwächelnden, aber in seiner Außenpolitik aggressiven Partner gebunden: Österreich-Ungarn.

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